Leben
Infektionsverlauf wird immer kritischer
13.02.2020

In China hat sich die Zahl neu nachgewiesener Todesopfer durch das Coronavirus in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei im Vergleich zum Vortag mehr als verdoppelt. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen verzehnfachte sich dort sogar fast. Dieser Anstieg hat offenbar auch mit einer Änderung der Zählmethode zu tun
Wie die Behörden am Donnerstag mitteilten, wurden in der chinesischen Provinz Hubei 242 neue Todesopfer registriert, womit die Gesamtzahl der Opfer seit Ausbruch der Virusinfektion bei 1.310 liegt. Die Zahl der nachgewiesenen Infektion stieg um 14.840 auf nun 48.208 bekannte Fälle. Am Vortag waren in Hubei 97 Todesopfer und 1.638 neue Infektionen gemeldet worden. Somit ist die Gesamtzahl der Infektionen auf dem chinesischen Festland aber auf über 59.000 gestiegen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich kritisch über die Datenlage zum Verlauf des Coronavirus geäußert. Der CDU-Politiker sprach von einer insgesamt herausfordernden Situation. Mit Blick auf die aktuellen Zahlen aus China sagte er am Mittwoch in Berlin: „Das ist aber alles auf sehr, sehr dünnem Eis."

Zweckoptimistisch fügte der potentielle Kanzlerkandidat hinzu: Es ist – Stand heute – noch nicht absehbar, ob aus einer regional begrenzten Epidemie in China eine weltweite Pandemie dann wird oder nicht“. Es gebe in China womöglich abseits der offiziellen Statistik Tausende weitere Infizierte, die aber nicht erfasst würden, da sich nur auf Fälle mit symptomatischem Verlauf konzentriert werde. Man müsse sich bestmöglich vorbereiten.

SPAHN: „Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht“

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Globalisierung brachte uns ja immer schön billige Medikamente

Zudem rechnet der Gesundheitsminister auch mit Engpässen bei der Versorgung von Arzneimitteln. Diese seien aufgrund von Produktionsausfällen in China infolge der Epidemie realistisch. Da die chinesische Fertigung teilweise eingestellt worden sei, könne dies Folgen haben für unsere Arzneimittelversorgung in Deutschland, so Spahn. 

Da die Lieferungen aus China etwa vier Wochen bis nach Europa brauchen, dürften in den nächsten zwei, drei Wochen noch Wirkstoffe und Zulieferungen ankommen. Was danach passiert ließ der Minister offen. „Jetzt müssen wir uns auch darauf vorbereiten, wie wir damit umgehen“, sagte Spahn. Dazu bedürfe es europäischer Absprachen.

Oder wie auch die WHO bestätigt: "Deutschland ist gut vorbereitet."

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Treffen der EU-Gesundheitsminister in Brüssel


Bei einer Beratung der EU-Gesundheitsminister am Donnerstag in Brüssel will Spahn mehrere Themen mit seinen Amtskollegen abstimmen: Unter anderem will er sich dafür einsetzen, Gelder aus dem EU-Haushalt für die Forschung zu Therapien und einem Impfstoff bereitzustellen.

Bei dem Treffen soll es um Themen wie europaweit einheitliche Einreisekontrollen, eine sich anbahnende Medikamentenknappheit und die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffs gehen. Auch ein Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird teilnehmen. Spahn betonte,  bezogen auf die WHO müsse sich die EU „mit Haushaltsmitteln verantwortlich“ fühlen.

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In China war zuletzt immer mehr Kritik an der Untätigkeit oder langsamen Reaktion der Behörden auf den Ausbruch der Lungenkrankheit laut geworden. Nun hat der Coronavirus-Ausbruch in China personelle Folgen: Der Parteisekretär der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei, Jiang Chaoliang, ist laut dem TV-Sender „CCTV“ ersetzt worden.
Er wurde demnach von Ying Yong, dem bisherigen Bürgermeister von Shanghai, abgelöst. Bereits am Dienstag waren die Chefs der Gesundheitskommission in der Provinz entlassen worden.

Wegen Epidemie - In China rollen die ersten Köpfe