Leben
Ölpreis auf 0 Dollar- können wir jetzt zum Nulltarif tanken?
21.04.2020

Erneut ein historischer Fall an der US-Börse: Es ist angeblich die Corona-Krise, welche den Ölpreis der amerikanischen Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) erstmals in den Negativbereich stürzen lässt. Das geschichtsträchtige daran- die US Sorte hatte zeitweise überhaupt keinen Wert mehr. Ist das das Ende des US Petrodollars?

Zweifellos ist dies eines der Ereignisse, welches die Welt nachhaltig ändern könnte. Diese Art von Ereignissen haben Kriege und Aufstände hervorgebracht. Man stelle sich vor wieviele Nationen auf der Welt direkt vom Öl abhängig sind, und das in einer Zeit, in welcher der Ölpreis gegen 0 tendiert. Kommen jetzt die wirklich großen Rettungsaktionen von der FED oder anderen Zentralbanken? Einige Analysten erwarten die größte jemals dagewesene Form von "quantitative easing" (Quantitative Lockerung bezeichnet eine unkonventionelle Form der Ausweitung der Geldbasis durch eine Zentralbank. Dabei kauft die Zentralbank meist langfristige private oder öffentliche Wertpapiere, zum Beispiel Staatsanleihen, von den Geschäftsbanken auf. Durch diese Käufe wird die Geldbasis erhöht.) Fließen jetzt Billionen von Dollar in einen "bailout" für die Ölindustrien der Welt?

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Eine gifte Mischung bestehend aus schwindender Nachfrage, überfüllten Lagern und eine Angebotsschwemme haben zusammengenommen den US-Benchmark für Rohöl der Marke (WTI) so stark beeinträchtigt, dass die Preise am Montag von 18,27 US-Dollar auf unter null US-Dollar fielen – ein Rückgang von über 100 Prozent gegenüber dem Schlusskurs des Vortages - der größte Tagesverlust aller Zeiten. Im Tagestief lag der Kontrakt sogar bei minus 15 Dollar. Abnehmer erhielten demnach sogar noch Geld für die Ware. 

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Ölpreis stürzt ins Bodenlose - sogar unter 0 Dollar

Einerseits zeigt dies, wie stark Angebot und Nachfrage derzeit am Ölmarkt auseinanderfallen. Andererseits handelt es sich um ein sehr spezielles Phänomen, bedingt durch den an diesem Dienstag verfallenden Mai-Terminkontrakt auf US-Öl. 
Das Besondere: Der nachfolgende Terminkontrakt auf amerikanisches Leichtöl (WTI) kostete am Montagabend wesentlich mehr als der Mai-Kontrakt.

"Super-Contango"

Aufgrund der deutlich höheren Preise für künftige Öllieferungen, nicht nur bei US-Öl, sprachen einige Marktteilnehmer jetzt von einem sogenannten "Super-Contango". 
Dies bezeichnet eine Marktsituation, welche gekennzeichnet ist durch steigende Ölpreise, je weiter ihre physische Auslieferung in der Zukunft liegt. Dies kann ein Zeichen für eine aktuell besonders schwache Nachfrage oder ein besonders hohes Angebot sein. Gegenwärtig trifft beides zu.

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Die Corona-Maßnahmen sorgen für einen globalen Konjunktureinbruch, was eine rückläufige Öl-, Benzin- und Dieselnachfrage zur Folge hat. 
Unlängst haben zwar die großen Erdölproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien deutliche Förderkürzungen angekündigt. Laut Experten bestehen jedoch massive Zweifel, ob die Reduzierungen ausreichen, um Angebot und Nachfrage wieder in Einklang zu bringen.

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Berichten zufolge parken z.Zeit ganze Tankerflotten auf See, da sie keinen Platz finden, um ihre Ladung an Land zu lagern. Die Nachfrage nach dem Rohstoff ist inmitten der Corona-Krise weltweit um schätzungsweise 30 Prozent gesunken.