Leben
Virus ist wirklich so eine Bedrohung
12.02.2020

In China sind inzwischen mehr als tausend Menschen an dem neuartigen Coronavirus gestorben. Wie die Regierung in Peking am Dienstag mitteilte, starben binnen eines Tages 108 Menschen an den Folgen der Infektion - ein trauriger Rekord. Angesichts der weiter wachsenden Zahl von Infektionen auch außerhalb Chinas sprach WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus von einer "sehr ernsten Bedrohung für den Rest der Welt".

Hongkongs führender Epidemiologie Gabriel Leung sieht die Situation sehr kritisch, der Virus könnte 60% der Weltbevölkerung infizieren. Es müsste Entschieden und gezielt gegen den Erreger entgegen gegangen werden.

Auf Initiative der Weltgesundheitsorganisation beraten seit Dienstag rund 400 Experten und Forscher aus aller Welt, wie sich die Epidemie eindämmen lässt. Themen sind unter anderem neueste Erkenntnisse zu den Übertragungswegen des Virus sowie die beschleunigte Entwicklung eines Impfstoffs. Ab Donnerstag beraten auch die EU-Gesundheitsminister in Brüssel über weitere Schutzvorkehrungen gegen das Virus.

Deutsche Spitzenpolitiker, wie der vielleicht bald zum Kanzlerkandidat avancierten Gesundheitsminister mahnen zur Gelassenheit- die Ansteckungsgefahr in Deutschland sei gering. Seiner Meinung nach liegen die größten Gefahren in sog. „Verschwörungstheorien“

„Das einzige, was mich wirklich beunruhigt, sind Verschwörungstheorien aller Art“, sagte Spahn mit Blick auf in sozialen Medien kursierende Gerüchte. Die Bundesregierung wolle mit größtmöglicher Transparenz auf dieses Problem reagieren.
Doch das einzige Beunruhigende ist das beileibe nicht. Denn wie man erst durch aumerksame Internetnutzer erfahren musste, ist sich die Bundesregierung selbstverständlich den drastischen Folgen eines Pandemiefalls in der Bundesrepublik bewusst. 


So wurde im Jahr 2012 eine Risikoanalyse für den Bevölkerungsschutz zur „Pandemie durch Virus ´Modi-SARS`“ durch den wissenschaftlichen Dienst ausgerarbeitet. In der Drucksache 17/12051 vom 3. Januar 2013 (ab Seite 55) ist das dort zugrunde gelegte Szenario genauestens beschrieben- und die aktuellen Ereignisse gleichen den Voraussagen in dem Szenario in frappierender Art und Weise..

Quelle: dipbt.bundestag.de/doc/btd/17/120/1712051.pdf

Risikoanalyse der Bundesregierung 2012

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Andere Länder , wie die kürzlich aus der EU ausgetretenen Briten hingegen haben Sofortmaßnahmen ergriffen. Die USA haben einen öffentlichen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Nicht-US-Bürgern, die sich in den vergangenen zwei Wochen in China aufgehalten haben, werde die Einreise verboten, erklärte US-Gesundheitsminister Alex Azar am Freitag. Ausnahmen gäbe es für enge Familienmitglieder von US-Bürgern und Menschen mit ständiger Aufenthaltsgenehmigung. Die Anweisung gilt ab dem 2. Februar. Auch in Italien gilt eine derartige Regelung.

In Deutschland hingegen starten und landen noch immer Flugzeuge mit Chinareisenden. Aufgrund des am 25. Januar gefeierten chinesischen Neujahrs kehren viele Menschen zu ihren Familien nach Deutschland zurück und auch chinesische Händler betreten unser Land, ganz problemlos.

Nach zehn Toten beginnen die Maßnahmen

„Die antiepidemischen Maßnahmen beginnen, nachdem zehn Patienten in Deutschland an der Infektion verstorben sind“, heißt es in dem Szenario.   

Die Anordnung der Maßnahmen geschieht in den Regionen zuerst, in denen sich Fälle ereignen; die Bevölkerung setzt die Maßnahmen je nach subjektivem Empfinden unterschiedlich um. Generell werden Maßnahmen zwischen Tag 48 und Tag 408 als effektiv beschrieben.

Für den Zeitraum der ersten Welle – vom ersten bis 411. Tag – berechnet die Risikoanalyse insgesamt 29 Millionen erkrankte Menschen in Deutschland. In der zweiten Welle (412. bis 692. Tag) seien es 23 Millionen und während der dritten Welle (693. bis 1052. Tag) 26 Millionen Menschen. Im Zeitraum von drei Jahren sei mit mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion zu rechnen.

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CORVID19: Bereits mehr als tausend Tote in China

Zusätzlich erhöhe sich die Sterblichkeit von bereits anderweitig Erkrankten sowie von Pflegebedürftigen. Insoweit geht die Analyse davon aus, dass es aufgrund der Überlastung des medizinischen und des Pflegebereiches keine adäquate medizinische Versorgung bzw. Pflege mehr gewährleistet sei.

Die enorme Anzahl Infizierter, deren Erkrankung so schwerwiegend ist, dass sie hospitalisiert sein sollten bzw. im Krankenhaus intensivmedizinische Betreuung benötigen würden, übersteigt die vorhandenen Kapazitäten um ein Vielfaches. Dies erfordert umfassende Sichtung und Entscheidungen, wer noch in eine Klinik aufgenommen werden und dort behandelt werden kann und bei wem dies nicht mehr möglich ist. Als Konsequenz werden viele der Personen, die nicht behandelt werden können, versterben.

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Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums heißt es dagegen nach aktueller Lage:

„Deutschland ist bestmöglich vorbereitet. Vor allem das Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken in Deutschland ist international beispiellos. Wir verfügen über ein sehr gutes Krankheitswarn- und Meldesystem und Pandemiepläne.“

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