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AKK wird deshalb nie Kanzlerin?
13.06.2019

Viele Vertreter der CDU dachten bisher, eines Tages wird Annegret Kramp-Karrenbauer deutsche Kanzlerin. Doch nach mehreren eklatanten Patzern ist die Parteichefin nicht mehr ganz so unumstritten, längst nicht alle setzen mehr auf sie. Laut einer Emnid-Umfrage käme Kramp-Karrenbauer bei einer Kanzler(innen)kandidatur nur auf 16 Prozent Zustimmung. Sehr viel mehr, um genau zu sein 31 Prozent – erhielte Merz.

Doch auch um Friedrich Merz ist es derzeit stiller geworden. Längere Zeit ließ der ehemalige CDU-Vizefraktionschef und verhinderte CDU-Vorsitzende nichts mehr von sich hören. Doch nun mischt er sich wieder in die Debatte ein: "Das ist eine völlig irre Diskussion." Da konnte ihm so mancher, der überhaupt nicht zu den Merz-Fans zählt, eigentlich nur zustimmen. 

Friedrich Merz / AKK / Atlantik-Brücke / American Council

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Denn plötzlich hat die CDU eine Debatte um eine mögliche Kanzlerinnenkandidatur der Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer am Hals. 
Doch AKK selbst wollte diese am allerwenigsten. Für sie gilt nach wie vor, was sie seit Monaten sagt: Man werde darüber auf einem Parteitag Ende 2020 entscheiden. Kramp-Karrenbauer galt bislang als Favoritin für eine Kanzlerkandidatur und somit auch für die Nachfolge nach 18 Jahren Angela Merkel im Kanzleramt. Nur eines steht fest- gut ein halbes Jahr nach ihrer Wahl zur CDU-Chefin löst Kramp-Karrenbauer auch im eigenen Lager nicht mehr solche Begeisterung aus wie noch beim Wahlparteitag in Hamburg Anfang Dezember.

Gerüchte halten sich hartnäckig, ob sie eigentlich das Zeug zur Kanzlerkandidatin habe. 

Die sog. "Werteunion", eine Gruppierung von konservativen CDU- und CSU-Mitgliedern, hat nun versucht die Reisleine zu ziehen.
"Die Werteunion fordert angesichts der verheerenden Umfragewerte eine Urwahl des Kanzlerkandidaten durch die Mitglieder und startet kurzfristig eine Initiative zu deren Umsetzung", erklärte ihr Vorsitzender, der Bundestagsabgeordnete Alexander Mitsch. 

Machtkampf - AKK gerät gewaltig unter Druck

Die Forderung zur Urabstimmung wird lauter

Darin steckt natürlich ein gehöriges Quantum an Misstrauen gegen Kramp-Karrenbauer. Denn, wie man sich vorstellen kann, macht eine eine Urabstimmung nur dann Sinn, wenn es mehr als einen Kandidaten oder eine Kandidatin gibt. 
Der CDU-Vorsitzenden wird vor allem angekreidet, dass die EU-Wahl so schlecht ausgefallen ist und dass die CDU in Umfragen immer weiter absackt, während die Grünen in manchen Umfragen schon auf Platz eins liegen. Zudem sind Kramp-Karrenbauer im vergangenen halben Jahr auch einige „Missgeschicke“ passiert, die immer noch stark nachwirken. 

So wird ihr nach wie vor angekreidet, dass sie zur Karnevalszeit einen "Toiletten-Witz" über Intersexuelle gemacht habe, und die jugendlichen Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung als Schulschwänzer abgetan habe. Und als sie dann auch noch auf die Kritik des Youtubers Rezo an der CDU erwiderte, man müsse schon mal über Meinungsmache im Internet sprechen, da wurde dies hauptsächlich als Ruf nach Zensur verstanden. 

Kramp-Karrenbauer: Grüne Warnung

Doch Kramp-Karrenbauer steht (noch) nicht ganz allein da. Sie hat mit dem Unionsfraktionsvorsitzenden Ralph Brinkhausauch einen prominenten Fürsprecher. Er entgegnete auf die Frage, ob AKK zu profilierungzwecken vielleicht besser in die Regierung wechseln solle, AKK habe ohnehin mit der Neuaufstellung der CDU viel zu tun. Dann fügte er wie selbstverständlich hinzu: "Und sie wird auch unsere nächste Kanzlerkandidatin sein. Insofern ist das ihre Entscheidung, was der beste Weg ist." 

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Eine derartige Festlegung kommt hingegen Armin Laschet nicht über die Lippen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und CDU-Vizechef hat in der Partei großes Gewicht und widerspricht Brinkhaus: "Annegret Kramp-Karrenbauer hat vorgeschlagen, die Kanzlerkandidatur auf dem CDU-Parteitag Ende 2020 zu entscheiden. Ende 2020 ist nicht heute und nicht jetzt." Der Frage, ob er selbst vor der nächsten Bundestagswahl Kanzlerkandidat werden wolle, weicht er aus und erklärt, diese Frage stelle sich derzeit nicht. Man munkelt schon seit längerem, dass Laschet selbst die Nachfolge Merkels antreten wolle. 

Erst kürzlich hat er die Parteichefin vor einer Abkehr vom Merkel-Kurs gewarnt: "Das Erfolgsrezept der CDU in der Kanzlerschaft von Angela Merkel war nicht zuletzt, Probleme pragmatisch zu lösen und über die CDU-Stammwähler hinaus viele Bürger anzusprechen. Daran sollten wir festhalten." AKK ist in der Migrationspolitik jedoch auf Distanz zu Merkel gegangen, sie lässt deren Asylpolitik seit 2015 in Werkstattgesprächen aufarbeiten.