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Giftige Nahrungsergänzungsmittel auf dem Mark
09.09.2019

In Deutschland benötigen Nahrungsergänzungsmittel eine behördliche Erlaubnis, ehe sie in den Handel kommen dürfen. In der neuen Reportage deckt Report Mainz auf, dass hochgiftige Produkte völlig unkontrolliert auf den Markt gelangen.


Einem Team von Autoren des Politikmagazins „Report Mainz“ ist es gelungen, ein offensichtlich lebensgefährliches Nahrungsergänzungsmittel offiziell beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu registrieren und damit zum Verkauf anzumelden.

Das Erstaunliche-  Während des gesamten Experiments über knapp zwei Monate wurde es weder kontrolliert noch verboten. Dabei war es offensichtlich, dass das Ergänzungsmittel niemals hätte die Erlaubnis zum Verkauf bekommen dürfen.

Auf dem Etikett gaben die Reporter als Zutat den giftigen Pflanzenstoff Datura-Extrakt, also Stechapfel an. Einem Wirkstoff also, der die Konsumenten nach Verzehr mindestens eine schwere psychedelische Erfahrung bietet, oder sogar, wie Pharmakologe Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein im Interview unterstrich: "Damit kann man potenziell auch Menschen umbringen."

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Tatsächlich verkauft und hergestellt haben die Reporter das gefährliche Produkt jedoch nicht. Schließlich war nicht das Ziel jemanden zu gefährden. 
Eigentlich müssen Nahrungsergänzungsmittel beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit registriert werden. Zuständig für die Überwachung sind dann die rund 400 Landkreise und kreisfreien Städte.
Auf Nachfrage, warum die drei im Experiment betroffenen Städte das gefährliche Produkt nicht kontrolliert haben, erklärten sie, Nahrungsergänzungsmittel würden nur stichprobenartig kontrolliert. Für die Sicherheit der Produkte seien die Hersteller selbst verantwortlich.

Der Pharmakologen Smollich sieht in dem Experiment den Beweis dafür, dass die Überwachung und der Verbraucherschutz bei der Lebensmittelsicherheit in Deutschland nicht funktioniere.
Eine Gesundheitsgefahr für Verbraucher durch Nahrungsergänzungsmittel könne deshalb aktuell nicht ausgeschlossen werden, so Smollich.

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Ein Lebensmittelkontrolleur, der aus Angst um seinen Arbeitsplatz anonym bleiben möchte, erklärte im Interview, die Behörden seien überfordert. "Das Problem ist dieser schnelllebige, globale Handel und die lokale Kontrolle." Es fehle an Zeit und an Personal. "Wir rennen dem Markt hinterher. Das ist ein Kampf David gegen Goliath."

Die Verbraucherschutzpolitikerin Renate Künast (Bündnis90/Die Grünen) drängt deshalb auf eine Systemänderung. Nahrungsergänzungsmittel müssten zugelassen werden, bevor sie verkauft werden - so wie Arzneimittel. "Wir können den Markt mit etwas, das am Ende gesundheitsschädlich ist, nicht einfach so unreguliert lassen."

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In Deutschland kommen immer mehr neue Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Nach Angaben des zuständigen Bundesamtes wurden im vergangenen Jahr knapp 8000 neue Produkte registriert. Vier Jahre zuvor waren es noch halb so viele. Umfragen zufolge nimmt fast jeder dritte Deutsche solche Pillen, Pulver oder Kapseln. Für die Hersteller ein gutes Geschäft. Dabei sind sich Experten einig: Nur die wenigsten Konsumenten brauchen Nahrungsergänzungsmittel. Bei einer ausgewogenen Ernährung sind diese fast immer unnütz.

TV Tip: Report Mainz heute Abend, 21:50 im Ersten.