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Krieg: Syrien kämpft gegen die Türkei?
14.10.2019

Wenige Tage nach Beginn der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien droht eine weitere Zuspitzung der Lage in dem Grenzgebiet. Nach Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur SANA schickt die Regierung in Damaskus nun auf Anfrage der Kurden eigene Truppen in die Region. Mohammed Shaheen, stellvertretender Vorsitzender der selbst ernannten kurdischen Autonomieverwaltung in der Euphratregion, hatte zuvor erklärt, dass die überwiegend kurdischen Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ein Abkommen mit Damaskus abgeschlossen haben. Dieses sieht vor, dass syrische Regierungstruppen in den Norden der Region Kobanê vorrücken. Die syrischen Gebiete, in denen die türkische Armee derzeit präsent sei, würden auf diese Weise "befreit" werden. Das gelte auch für Orte wie Afrin, die die Türken schon länger besetzt halten.

Offenbar hatten SDF-Entsandte vorher mehrere Tage mit syrischen Regierungsvertretern verhandelt. Die Gespräche fanden dem Vernehmen nach, in Anwesenheit russischer Vertreter auf der russischen Luftwaffenbasis Hmeimim in Latakia statt. Weitere Gespräche soll es in Damaskus gegeben haben. SDF-Sprecher Mustafa Bali sagte zunächst nur, seit Beginn der türkischen Offensive habe man immer betont, alle Optionen erkunden zu wollen, um den Menschen eine ethnische Säuberung zu ersparen. 

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Die EU-Außenminister wollen am Montag in Luxemburg über mögliche Sanktionen wegen des Einmarschs türkischer Truppen beraten. Schweden hat sich im Vorfeld der Gespräche offen für ein EU-weites Waffenembargo gegen die Türkei ausgesprochen und will bei einer Verschlechterung der Lage auch Wirtschaftssanktionen oder Sanktionen gegen Einzelpersonen vorschlagen. Auch die französische Regierung hat das Thema Sanktionen aufgeworfen. Nach einer Sondersitzung des französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats am späten Sonntagabend teilte der Elysee-Palast mit, dass Frankreich seine Bemühungen verstärken werde, ein "unverzügliches Ende" der türkischen Offensive zu erwirken.

 

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Unterdessen wollte die US-Regierung mit dem Abzug von rund 1000 Soldaten aus Nordsyrien beginnen. Verteidigungsminister Mark Esper erklärte am Sonntag im US-Fernsehen, es bestehe die Gefahr, dass die USA zwischen zwei vorrückende Armeen gerieten. Einen Zeitplan nannte er nicht. Auch blieb unklar, wohin die US-Soldaten sich zurückziehen sollten.

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Derzeit kontrollieren die Kurden etwa ein Drittel Syriens. Seit Jahren hat Assad ein ums andere Mal gesagt, er bestehe darauf, jeden einzelnen Quadratzentimeter syrischen Bodens zurückzuerhalten. Die syrischen Kurden hingegen waren nie Teil der Opposition gegen Assad und kämpften nicht für dessen Sturz. Während des Bürgerkriegs gingen sich Kurden und Regierungstruppen in der Regel aus dem Weg.

Die Kurden strebten keine Unabhängigkeit an, sondern lediglich eine weitgehende Selbstverwaltung. Das dürften sie unter Assad wohl nie bekommen. Angesichts des türkischen Vormarschs hoffen die Kurden jetzt zumindest darauf, dass ihnen die Annäherung an Assad und Putin den Schutz bietet, den US-Präsident Donald Trump ihnen zuvor entzogen hatte.