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Null Toleranz der Polizei gegen diese Hochzeit-Korsos
22.08.2019

In NRW geht es wieder einmal um die Hochzeitskorsos. Ein Phänomen, dass wie der focus berichtet, förmlich aus dem Nichts auf die Beamten zukam, und seitdem mit Schüssen, Autobahnblockaden und völlig aus dem Ruder laufenden Hochzeits-Korsos die Polizei in NRW auf Trab hält. Das Landeskriminalamt hat nun die Einsätze analysiert und kam dabei zu völlig überraschenden Erkenntnissen.

Seit dem 1. April 2019 ist der Anlass „Hochzeit“ nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) 266 Mal der Grund für Polizeieinsätze gewesen. Dabei sind laut LKA mehr als hundert Anzeigen geschrieben worden und in 816 Fällen wurden von den Beamten die Personalien der Beteiligten aufgenommen.
Der Abteilungsleiter im LKA, Thomas Jungbluth, hat das Phänomen in einem Bericht für den Landtag jetzt analysiert.

Hochzeitskorso gestoppt

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Der Verdacht: 


In Jungbluths Augen haben die eskalierenden Hochzeits-Korsos und das Abfeuern von Schusswaffen im laufenden Straßenverkehr im Zweifel gar nichts mit dem Fest zu tun - in dem Bericht spricht er vielmehr lediglich von „einer übersteigerten Männlichkeitsinszenierung“. 
In der zehnseitigen Stellungnahme für den Innenausschuss nennt Jungbluth aktuelle Zahlen: Demnach seien bei den 266 Einsätzen zwischen 1. April und 19. August Duisburg mit 36 Fällen, Köln mit 33 Fällen und Essen mit 22 Fällen „besonders von dem Phänomen betroffen“ gewesen. Seit dem 20. Juli - also dem Start der Sommerferien - habe es nur noch sieben Einsätze gegeben. „Bevorzugter Wochentag“ sei insgesamt der Samstag mit 54,9 Prozent.

Auslöser der Einsätze sind in 109 Fällen die mittlerweile bekannten Autokorsos gewesen. 60 Mal haben Zeugen „Schussabgaben“ gemeldet, sechs mal kam es zu einer „Vollsperrung/Stauprovokation“, heißt es in dem Bericht.
Jungbluth möchte dies jedoch unter keinen Umständen als ethnisches Problem verstanden wissen. Er insistiert, dass es eskalierende Hochzeits-Korsos auch in anderen Bundesländern gibt- und die Teilnehmer „sich nicht nur auf bestimmte Ethnien beziehen“.
So gab es selbstredend auch Anzeigen beim Hochzeitskorso eines deutschen Rockerclub- Präsidenten in Hagen und eben nach einer typisch deutschen Hochzeits-Blockade auf der A3 bei Ratingen im März. Diese zog sogar eine Razzia nach sich- und bei dieser wiederum habe nur einer von elf Tatverdächtigen die türkische Staatsangehörigkeit gehabt.

Schüsse und Straßenblockaden: Das Problem Hochzeitskorsos

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Für den leitenden Kriminaldirektor „lässt sich nicht eindeutig belegen, ob die Gründe zu überzogenen Freudenausbrüchen nur in dem eigentlichen Anlass der Hochzeit liegen oder andere Motive handlungsbestimmend sind“. 
Laut Jungbluth könnte es sich bei den Störungen im öffentlichen Raum um eine „übersteigerte Männlichkeitsinszenierung“ oder auch „das Demonstrieren von Macht und Einfluss im öffentlichen Raum“. Auch nationale Interessen schließt Jungblut nicht aus- für ihn könnten in den Inszenierungen auf den Autobahnen ebenfalls ein Symbol zur „Bekundung von Patriotismus“ sein.

NRW: Hochzeitsgesellschaft in Luxusautos blockiert Autobahn A3

Das Internet verstärkt laut dem Kriminaldirektor noch die Ambitionen der Störer. Die über Soziale Medien verbreiteten Bilder einer Straßenblockade wirkten wie „ein Beweis der Einzigartigkeit und des Selbstbewusstseins der Blockierer“, schreibt Jungbluth. Er warnt: „Dies kann Nachahmungs- oder Steigerungseffekte auslösen.“ Auch deswegen fahre die Polizei NRW nun eine Null-Toleranz-Strategie. Es ginge darum „die Spirale einer Steigerung aufsehenerregender, rechtlich nicht zulässiger Aktionen im Keim zu ersticken“, so der LKA-Mann. Doch Jungblut findet am Ende auch versöhnliche Worte, die beruhigend auf viele junge Hochzeitspaare wirken können. „Das moderate Fahren im Konvoi ohne Überschreiten von Verkehrsregeln oder das sporadisch, gelegentliche Hupen als Ausdruck von maßlos, überschwänglicher Freude“ lösen laut Jungbluth „in der Regel keine polizeilichen Maßnahmen aus“.

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