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Was bei der Clan-Kriminalität wirklich überrascht
16.05.2019

Das Innenministerium Nordrhein-Westfalens hat jetzt erstmals ein sogenanntes “Lagebild zur Clankriminalität" vorgestellt. Demnach sollen allein in den letzten drei Jahren mehr als 14.000 Straftaten auf das Konto von 104 identifizierten  „Familienclans“ gehen.

Die Ermittler vermuten jedoch, dass die tatsächliche Zahlen noch deutlich höher liegen und es eine hohe Dunkelziffer gibt. Dabei gehen allein 20 Prozent der Straftaten auf das Konto von nur zwei Clans; und sechs Prozent sogenannter Intensivtäter sind für rund ein Drittel aller Straftaten verantwortlich. Zudem gab es zwischen 2016 und 2018 insgesamt 26 Tötungsdelikte, wobei zwei der Opfer tatsächlich ums Leben kamen. 20 Prozent der Tatverdächtigen sind Frauen. „Das hat uns überrascht“, sagte Jungbluth.

Ebenfalls auffällig in diesem Zusammenhang ist, dass 36 Prozent der Tatverdächtigen die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. „Das ist die Generation, die hier geboren wurde. Sie tritt auch wesentlich aggressiver auf, protzt auf der Straße“, sagte Jungbluth. Es folgen Libanesen (31 Prozent), Türken (15 Prozent) und Syrer (13 Prozent). Die übrigen fünf Prozent der Tatverdächtigen sind entweder staatenlos oder es liegen über deren Herkunft keine Angaben vor.
Die Sicherheitsbehörden gehen demnach von zusammengerechnet rund 6500 Personen aus, „dabei sind nicht alle Angehörigen dieser Großfamilien kriminell aktiv“, wie Thomas Jungbluth, leitender Kriminaldirektor beim LKA, betonte.

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Was dabei so schwierig ist: Clanmitglieder fühlen sich als Teil einer größeren Gemeinschaft. Und die Integration von Gruppen in die Gesellschaft sei schwieriger als dies bei Einzelpersonen der Fall ist. Ein weiteres Problem ist die Omertà: Die sogenannte "Mauer des Schweigens", auf die die Polizei bei den Clans trifft. Denn es gebe durchaus "einen großen Teil" an Mitgliedern der Großfamilien, die "ein normales Leben führen wollen". Doch sie fühlen sich der Verwandtschaft verpflichtet oder werden gar bedroht.
„Das sind Mafia-Strukturen und Parallelwelten, in denen die Missachtung von Recht und Gesetz von einer Generation auf die nächste weitergegeben wird. Diesen Mechanismus zu durchbrechen, ist unser Ziel.“ Erklärte Innenminister Reul  bezüglich des Lageberichts.

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„Jahrelang wurden die Hinweise der Bürger zu diesem Problem geflissentlich ignoriert. Damit ist nun endlich Schluss “, äußerte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) bei der Vorstellung des ersten Lagebildes über kriminelle Clans in NRW am Mittwoch. Doch das Vorgehen gegen die Clans wird weiterhin schwierig bleiben. Nicht nur, weil Nordrhein-Westfalen erst das zweite Bundesland nach Niedersachsen ist, dass ein sogenanntes Lagebild zu der Problematik entwickelt hat - eine "kleine Revolution", wie Ghadban es ausdrückte. 

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Vor der Erstellung dieses Lagebildes seien die Behörden in NRW noch von etwa nur 50 kriminellen Großfamilien ausgegangen, nicht von mehr als 100. Niedersachsen war 2012 Vorreiter bei der Entwicklung eines Lagebilds zur Clankriminalität gewesen . Andere Bundesländer müssten dem Beispiel folgen, nur so könne die Polizei viel effektiver arbeiten.