Politik
Ausbeutung pur: Groko lässt Arbeitnehmer im Stich
06.02.2019

„Wir wollen den Missbrauch bei den Befristungen abschaffen“ steht im Koalitionsvertrag. Das war das Versprechen von Union und SPD. Geplant wurde nämlich, dass die Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten nur 2,5 Prozent der Arbeitnehmer sachgrundlos befristet beschäftigen dürfen. Eine Befristung wird dann als „sachgrundlos“ angesehen, wenn sie nicht für die Dauer von Elternzeiten, Krankheitsausfällen oder Gleichem eingesetzt wird. 

Und das sorgt jetzt für dicke Luft zwischen Wirtschaft und Bundesregierung. „Die sachgrundlose Befristung darf nicht eingeschränkt werden“ sagte der Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. In der Zeit, wo das Wirtschaftsklima sich verschlechtert, brauchen die Unternehmen mehr Flexibilität und nicht weniger, so der Präsident.

Laut des Arbeitsrechtlers Richard Giesen gibt es bei den Firmen praktisch keine Möglichkeit, Befristungen „mit Sachgrund“ zu nutzen. Im öffentlichen Dienst dagegen geht so gut wie jeder zehnte Mitarbeiter eine befristete Beschäftigung nach. Nur jeder vierte gelingt es, unbefristet übernommen zu werden. „Die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis gleicht einem Lotteriespiel“ sagte die Linke-Bundesabgeordnete Susanne Ferschel. Ihrer Meinung nach gehören sachgrundlose Befristungen sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Dienst abgeschafft.