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Besäufnis und Anarchie: Karneval hat sich abgeschafft?
08.02.2018

Karnevalstage sind immer eine große Herausforderung für die Behörden, wie auch für die Menschen, die im Stadtzentrum wohnen. „Die Leute haben vor meinen Augen ihre komplette Notdurft verrichtet“, „Für die Anwohner war das ein Spießrutenlauf, einige kamen wegen des dichten Gedränges nicht einmal mehr in ihre Wohnungen", beschweren sich die Kölner gegenüber dem „Spiegel.“ Die Frage, die die Zeitschrift stellte, lautet: „Was ist eigentlich aus unserem Karneval geworden?“
 
"Es gehört zum Lebenssinn dieser Stadt, einmal im Jahr, hinter einer Maske versteckt, die Zwänge abzulegen und sich gehen zu lassen", sagt der Kölner Brauchtumsforscher Michael Euler-Schmidt. "Der Karneval ist anarchisch. Er ist der Gang in eine verkehrte Welt. Man möchte einmal so sein, wie man sonst nicht ist. Aber natürlich gibt es dabei Grenzen", so er weiter. Das Problem ist jedoch, dass viele Feiernde die Grenzen nicht mal kennen.
 
"Der Karneval ist in den letzten Jahren - oder eher Jahrzehnten - zu etwas geworden, das eher einem allgemeinen Besäufnis entspricht, als dem, was unsere Karnevalskultur ausmacht", sagte Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Euler-Schmidt versteht die Frustration der Behörden und schlägt vor, „missionarisch einzugreifen“, um die Tradition zu retten.

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