Politik
Lukas Hlavac/shutterstock.com
China führt totale Überwachung von Touristen ein
11.07.2019

Xinjiang liegt im Nordwesten Chinas und wird überwiegend von der muslimischen Minderheit Uiguren bewohnt, die für den Staat als Versuchskaninchen in Sachen Totalüberwachung dienen. Die Städte und vor allem Moscheen sind videoüberwacht und selbst Smartphones der Bevölkerung wurden mit der staatlichen Spyware ausgestattet. Die Behörden sammeln dadurch umfangreiche Daten über die Bürger inklusive Blutgruppe, Religion oder Glaubensausübung.

 

Nun will China auch Touristen, Geschäftsreisende oder Lkw-Fahrer überprüfen, die von Kirgisistan aus in Xinjiang einreisen. Die Reisenden werden aufgefordert, ihre Smartphones für die Datenüberprüfung zu entsperren. In einem separaten Raum wurden die Gadgets dann mit einem spezial entwickelten App gescannt. Das Programm wurde "Fengcai" ("Sammelnde Honigbienen") genannt und kann auf Kontakte, Kalender, SMS, Standort, Nutzerkennungen für chinesische Sozial-Media-Plattformen oder Anruflisten zugreifen. Die Ergebnisse werden an einen Computer der Grenzpolizei übermittelt.

 

Die gewonnenen Daten werden ausgewertet und mit rund 73.000 Dateien einer schwarzen Liste, die aus Hinrichtungsvideos, Propagandazeitschriften oder Bildmaterial mit Kriegsgerät und Flaggen des "Islamischen Staats",Koranverse, Bücher über arabische Sprache und Lexika sowie ein Lied der japanischen Metal-Band "Unholy Grave" besteht, auf Übereinstimmungen gecheckt. Ein Tourist fand eine verbliebene Kopie des Apps auf seinem Handy und übergab sie an den Journalisten der Süddeutsche Zeitung.

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