Politik
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Coronavirus: Epidemie des Rassismus
20.02.2020

Das Coronavirus verbreitet sich weltweit. Zusammen mit der Krankheit verbreiten sich auch Ressentiments und Vorurteile gegenüber Asiaten. Die Chinesen werden pauschal für ihr Essverhalten an den Pranger gestellt. Selbst renommierte Nachrichtenportale tragen zu einem rassistischen Narrativ bei: Die unzivilisierten Chinesen mit ihren barbarischen Essgewohnheiten sind schuld am Coronavirus.
 
Eine vermeintliche Chinesin beißt in den Flügel einer Fledermaus und posiert dabei für die Kamera. Dieses Video wurde viral in allen sozialen Netzwerken geteilt und weiterverbreitet. Tausendfach schneller als das Virus selbst. Das Video sollte beweisen, dass die Chinesen Allesfresser seien. Von daher solle man sich nicht wundern, dass ein tierisches Virus auf den Menschen zu übertragen schaffte. Auf dieses Video haben sich unter anderem „Daily Mail“ und „RT“ bezogen, um die Essgewohnheiten der  Chinesen in Verbindung mit dem Coranavirus zu bringen. „Herald Sun“ betitelte das Cover ihrer aktuellen Ausgabe „Chinesische Virus-Hölle“, „Daily Telegraph“ druckte auf der Titelseite den Appell an Chinesen: „Bleibt zuhause!“, „Courrier Picard“ dachte sich eine reißerische Schlagzeile „Chinesisches Coronavirus – gelber Alarm“ aus und „Der Spiegel“ präsentierte die Ausgabe mit dem Titel „Corona-Virus: Made in China“.
 
Es ist nicht verwunderlich, dass alle Asiaten in Europa auf einmal als Ansteckungsgefahr wahrgenommen worden sind. Es häuften sich die Berichte, wie asiatisch aussehende Menschen in Supermärkten, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder einfach auf der Straße beleidigt, beschimpft und sogar angegriffen wurden. Angst war immer ein fruchtbarer Boden für Rassismus-Saate. Die Medien haben dieses Saatgut fleißig und ergiebig ausgesät.

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