Politik
David gegen Goliath- Wer wird die Welt noch retten?
22.01.2020

Beim „Super Tuesday“ in Davos kommt es zum Fernduell des US-Präsidenten und der Klimaaktivistin. Sie reden aneinander vorbei. Das verheißt für den Schutz des Klimas nichts Gutes. Plötzlich rückt damit ein anderer Akteur in den Fokus.

Eine volle halbe Stunde nimmt sich Donald Trump Zeit für seinen zweiten großen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos, fast doppelt so viel wie beim letzten Mal vor zwei Jahren. Und er kostet die halbe Stunde, so verhalten der Applaus der 1800 Zuhörer auch sein mag, weidlich aus.

Es ist eine CO2-freie Rede, stattdessen lobt der Präsident mit großer Ausdauer seine Leistungen auf wirtschaftlichem Gebiet. Amerika sei ein „Modell für die Welt“, sein Land befinde sich „in der Mitte eines Booms, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat“, sagt Trump. „Amerika blüht und gewinnt wie noch nie“, was sich auch am neuen Handelsabkommen mit China zeige, „ein neues Modell für Handelsverträge“, so der Präsident.

Trump lässt Thunbergs Klima-Kassandra-Rufe eiskalt abtropfen

Sein Land, so sieht es Trump, erlebt eine „historische Welle an Investitionen“, von der vor allem Geringqualifizierte, Minderheiten und Durchschnittsbürger profitieren. „Wir schaffen die inklusivste Wirtschaft, die jemals existiert hat“, so Trump. „Dies ist ein Arbeiterboom.“

Trump rühmt sich auch für die sieben Millionen Jobs, die in seiner Amtszeit entstanden sind, und den Börsenboom, der die Menschen immerhin 19 Billionen Dollar reicher gemacht habe.

Von Alarmismus, der ihm in seinem Präsidentschaftswahlkampf 2016 durchaus nicht fremd war, keine Spur. „Dies ist nicht die Zeit für Pessimismus, dies ist die Zeit für Optimismus.“ In seinem Überschwang klingt der amerikanische Präsident wie eine Anti-Greta, die im vergangenen Jahr die Davoser Topmanager erklärtermaßen in „Panik“ versetzen wollte.

Die eine Stelle, an der er sich noch am ehesten der Thunberg-Welt nähert, ist die, an der der Präsident behauptet, Amerika habe heute die sauberste Luft und das sauberste Wasser seit Jahrzehnten. Die Worte „Klima“ oder „CO2“ aber kommen dem Präsidenten nicht über die Lippen, allein die Zusage, der WEF-Initiative zur Pflanzung von einer Billion Bäumen beitreten zu wollen, kann als Entgegenkommen gewertet werden.

Ein Entgegenkommen freilich, das er gleich wieder relativiert durch ein Bekenntnis zu billiger Energie – unter ausdrücklichem Einschluss von Kohle, Flüssiggas und Atomenergie. Auch die Europäer sollten Amerikas Energieressourcen nutzen und sich unabhängig von den politisch instabilen Ölförderländern im Nahen Osten machen.

Ein Affront gegen alle in Davos, einschließlich der Organisatoren um Gründer Klaus Schwab, die den Kampf gegen die Erderwärmung gerne zum alles dominierenden Thema des Weltwirtschaftsforums machen wollen. Und eine Provokation für Greta Thunberg, die wie im Vorjahr in die Schweizer Alpen gekommen ist.

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Thunberg hat bereits am Morgen einen eher müde wirkenden Auftritt gehabt, doch wer glaubte, die 17-Jährige werde den 73-jährigen US-Präsidenten nun frontal angehen, sieht sich getäuscht. Die Trump-Rede hat sie sich durchaus angesehen, vor Ort im Saal zusammen unter anderen mit ihrer deutschen Mitstreiterin Luisa Neubauer.


Doch Thunberg attackiert in ihrem folgenden Auftritt nur nebenbei einmal den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen. Ansonsten lässt sie Trump Trump sein und Amerika Amerika – und nimmt sich stattdessen die in Davos anwesenden Wirtschaftsführer vor.

Die Anwesenden sollten sich nicht vor weiteren Panikaufrufen ihrerseits fürchten, die führten erfahrungsgemäß eh zu nichts, scherzt Thunberg. Und dann wird es ernst. Sie sollten bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht auf Technologie vertrauen, die es heute noch gar nicht gibt. In Afrika Bäume zu pflanzen, während im Regenwald die Bäume gefällt würden, helfe auch nicht.

 

Prof. Max Otte zu den Reden von Trump und Thunberg

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Beim CO2-Ausstoß sei „keine Netto-Null, sondern eine wirkliche Null vonnöten“. Dementsprechend hätten alle Investitionen in fossile Brennstoffe aufzuhören – „nicht bis 2050, nicht bis 2030, nicht bis 2021, sondern jetzt“. Und weiter: „Unsere Emissionen müssen stoppen, und zwar sofort! Entweder ihr macht das, oder ihr werdet es später euren Kindern erklären müssen. Unser Haus brennt weiter, und euer Nichthandeln facht das Feuer jede Stunde zusätzlich an.“


Wer allerdings erwartet hat, dass Thunberg in Davos eine konkrete Initiative präsentieren würde, sieht sich getäuscht. Im Vorfeld hat sie immerhin der globalen Wirtschaftselite angekündigt, „dass ihr noch gar nichts gesehen habt. Ihr habt noch nicht das Mindeste von uns gesehen, das kann ich euch versichern.“

Trump hier, Thunberg dort: die beiden Antipoden der großen Klimadebatte zur gleichen Zeit am gleichen Ort – und sie reden nicht miteinander, ja nicht einmal übereinander. Konkrete, konstruktive Vorschläge zur Klimadebatte legt nicht der eine und nicht die andere vor.