Politik
shutterstock.com
G-7-Debakel: DARUM ist Deutschland der größte Verlierer
12.06.2018

Der in Kanada stattgefundene G-7-Gipfel bleibt mit einem spektakulären Foto von Jesco Denzel in Erinnerung. Angela Merkel beugt sich in einer dominanten Stellung beide Hände auf den Tisch gestützt über den auf einem Stuhl sitzenden US-amerikanischen Präsidenten. Donald Trump sieht in die Augen der Bundeskanzlerin mit dem Gesichtsausdruck eines bockigen Kindes. Das Foto ist zweifelsohne ein Meisterwerk der politischen Ikonographie, was bedeutet aber das Ganze für die deutsch-amerikanischen Beziehungen?
 
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Nach dem Gipfel in Kanada wurde eins klar: Rabiater Egoismus wird die transatlantischen Beziehungen prägen. „Die Unsicherheit könnte sich zu einer zunehmenden und kostspieligen Eskalation auswachsen, wenn die Länder die Entschlossenheit der jeweils anderen testen, was in einen Handelskrieg münden könnte“, sagte Ethan S. Harris, Wirtschaftsexperte bei Bank of America Merrill Lynch. Harris geht davon aus, dass die gemeinsame Vertrauensbasis erodiere und geopolitische Entscheidungen von gegenseitigem Misstrauen geprägt seien.
 
Der größte Verlierer in dieser neuen Weltordnung ist Deutschland. „Deutschland ist von einer Störung der internationalen Produktionsketten viel stärker betroffen als alle anderen großen Ökonomien“, meinte Dieter Wermuth, Portfoliomanager bei Wermuth Asset Management. Der Grund dafür liegt darin, dass Deutschland wie kein anderes Land der G7 so stark in die Weltwirtschaft integriert ist, dass der Isolationismus der USA ganz schädlich für die deutsche Wirtschaft sein könnte. Und im Welthandel ist Deutschland auf die USA mehr angewiesen, als die USA auf Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist das geschossene Foto zwar schön, spiegelt aber nur verzerrt den aktuellen Stand der Dinge in den transatlantischen Beziehungen.

Tweet