Politik
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"Goebbels der DDR": Das Leben in Schwarzrot
31.10.2019

Am 30. Oktober 1989 war das letzte Mal, als DDR-Einwohner die Sendung “Der Schwarze Kanal” des SED-Chefpropagandisten Karl-Eduard von Schnitzler gesehen haben. Im Westen wurde der Redakteur als “Goebbels der DDR” gebrandmarkt. Fast 30 Jahre lang betrieb von Schnitzler Propaganda im staatlichen Fernsehen. 

Die Bezeichnung seiner Sendung spielte auf die Verlogenheit des westdeutschen Rundfunks an. Er riss kurze Passagen aus westlichen Fernsehsendungen und erklärte seinen Zuschauern im Sinne der Staatsdoktrin, dass diese Reportagen nur Lügen verbreiten. „Der schwarze Kanal, den wir meinen, meine lieben Damen und Herren, führt Unflat und Abwässer. Aber statt auf Rieselfelder zu fließen, ergießt er sich täglich in Hunderttausende westdeutscher und West-Berliner Haushalte. Es ist der Kanal, auf welchem das westdeutsche Fernsehen sein Programm ausstrahlt – der schwarze Kanal. Und ihm werden wir uns von heute an jeden Montag zu dieser Stunde widmen, als Kläranlage gewissermaßen – im übertragenen Sinne“ - mit diesen einleitenden Worten startete seine Sendung am Abend des 21. März 1960 und endete nach 1519 Folgen erst mit dem Mauerfall.

Ein kurioser Vorfall ereignete sich im Jahr 1983, als von Schnitzlers vierte Frau beim Diebstahl von zwei Packungen Damenstrümpfen in einem West-Berliner Kaufhaus ertappt und festgenommen wurde. Bei den Demonstrationen kurz vor dem Mauerfall skandierten die Menschen unter anderem: „Schnitzler laß das Lügen sein, kauf nicht mehr im Westen ein!“ Es gab Gerüchte, dass der DDR-Chefpropagandist unter falschem Namen Champagner und Hummer im West-Berliner KaDeWe gekauft haben soll. Von Schnutzler starb 2001 im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. 

 

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