Politik
Hashtag #futschi - Stellenabbau und Entlassungen in Deutschland
08.08.2019

Auf der einen Seite wird verlautbart, dass Deutschland viele neue Menschen und Fachkräfte braucht um seine Arbeitsplätze besetzen zu können. Auf der anderen Seite berichtet das ZDF wiederum vom kompletten Gegenteil. Schlagzeilen wie „Massiver Jobabbau angekündigt – Streichkonzert bei deutschen Konzernen“ sind in den Publikationen des „Zweiten“ zu lesen.
 
Demnach will Ford in Europa 12.000 Arbeitsplätze streichen, BASF weltweit 6.000, Siemens rund 3.000 in der Energiesparte und die Deutsche Bank denkt Medienberichten zufolge sogar über 20.000 Posten weniger nach. 
Volkswagen, Opel, Bayer oder SAP, legen große Abfindungs- und Frühverrentungsprogramme auf, um Tausende ältere Mitarbeiter loszuwerden. Die Deutsche Post, Telekom, Ford und Lufthansa wollen lieber Hunderte Millionen Abfindungen zahlen, als Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Kurzum, dies sind deutliche Anzeichen einer sich anbahnenden Konjunkturschwäche, in der die großen Firmen ihre Produktionen zurückfahren wollen.  

Diese beunruhigenden Anzeichen findet man jedoch nicht nur bei den Zugpferden der deutschen Wirtschaft. Das Schicksal der namenlosen Zulieferer kennt kaum jemand; klein stirbt es sich leise, bleibt jedoch in der Summe dasselbe: 
Zum drastischen Gewinneinbruch von 30 Prozent bei der BASF in Köln-Leverkusen passt, dass die Kölner Bäckereikette Oebel pleite geht.   Hunderte Jobs stehen auf dem Spiel. Meist heißt es ja, das seien nur die bösen Großkonzerne. Aber in Geislingen schließt WMF seine Kochtopffabrik, 400 Jobs verdampfen wohl, und Vorwerk in Wuppertal verlagert die Produktion des Thermo-Mix nach China. In Augsburg schließt Airbus große Teile einer Fabrik, die als Tochterunternehmen geführt wird, 1.100 müssen gehen. In Konstanz stellt der Zylinderkopf-Zulieferer Weber aus dem badischen Pforzheim Konkursantrag, weitere 1.100 gut bezahlte Arbeitsplätze weg. Bei Ergo in Beuren sind es 178, in Nördlingen ist der Modemacher Strenesse mal wieder am Ende, in Plattling (Niederbayern) kündigt die traditionsreiche Papierfabrik des finnischen Herstellers UPM 160 Mitarbeitern und in Düsseldorf macht der Suppen- und Konservenhersteller Zamek den Ofen aus.

Die Liste läßt sich jedoch noch verlängern, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter gibt es den Hashtag #Futschi dafür. Unter diesem Schlagwort wird das Elend notiert, wie es sich in den Lokal- und Regionalteilen der Zeitungen mitteilt – Kleinunternehmen schaffen es nicht in die Schlagzeilen. Die Liste der Mittelständler, die sich endlos fortsetzen ließe, ist bedrückender als die der Großkonzerne: Es zeigt, es wird durch alle Branchen gestorben, in allen Größen, in allen Regionen – Jobs sind #futschi.

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Noch hat dieser Zustand die breite Masse der Bevölkerung noch nicht erreicht und so brüstet sich die Politik damit, dass insgesamt die Beschäftigung auf Rekordniveau liege. 
Aber ist dies wirklich die Wahrheit, die da aus Berlin und in den Leitmedien verbreitet wird? Es ist zu hören, dass die gutbezahlten Industriearbeiter-Jobs verschwinden. Es sind diejenigen, die in der Spitze in Chemie und Auto mit 50 oder 60 Euro in der Stunde entlohnt werden. Dafür entstehen Teilzeitjobs, trotz aller Anstrengungen hat sich die Zahl der Frauen in Vollzeitjobs auch nicht wirklich erhöht; Minijobs sind hingegen eine Frauendomäne, meldet die Bundesagentur für Arbeit.

Parallel steigt in Deutschland die Zahl der prekär bezahlten Ausfahrjobs für z.B. Liefer oder Paketdienste; Deutschland bewegt sich auf dem Weg zur Liefer-Wirtschaft mit zunehmend schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs.  
„Es sind Vier von zehn Beschäftigten nicht mehr im Normalarbeitsverhältnis tätig. 90 Prozent von ihnen gelten als atypisch beschäftigt, weil sie als Teilzeitbeschäftigte, Mini- oder Midijobber weniger als 35 Stunden in der Woche arbeiten“, meldet eine alarmierende Untersuchung.

Es wird so immer klarer, dass mit dieser Bewegung die gesamte Wirtschaft in eine Schieflage gerät: Gutbezahlte Jobs, aus denen heraus die hohen Steuern und Sozialabgaben erwirtschaftet und bezahlt werden, verschwinden – dafür entstehen prekäre Jobs in Teilzeitverhältnissen, deren Bezieher niemals eine auskömmliche Rente erhalten und Dauer-Empfänger von Sozialleistungen über ihre gesamte Lebensbiographie bleiben. 

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Alles anders - die Macht der Millennials

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Die Bundesregierung bleibt derweil weiter auf striktem Klimakurs. So wird lieber von weiteren Steuern fabuliert, die den Bürger zu einem bewussten Umgang mit der Umwelt und dem Klima führen soll.

Und die Klimabewegung tut ebenfalls ihr Bestes. So wurde beim Klimagipfel der „Fridays for Future“- Bewegung in Dortmund ein altbewährtes Druckmittel wiederentdeckt: Der Generalstreik. Die ersten Aufrufe dazu sind bereits öffentlich und der erste Anlauf dafür ist für den 27. September geplant… 
Selbstverständlich ist natürlich, dass Freitags weiter Schule geschwänzt wird und das Ende der Industriegesellschaft gefordert.