Politik
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Liebäugeln mit Erdogan ist nur den Politikern erlaubt?
15.05.2018

Das gemeinsame Foto der deutschen Fußballspieler Mesut Özil und İlkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten löste eine Welle der Empörung aus. Zum ersten Mal sind die Rechtspopulisten mit dem Mainstream einig. Die ganze Aktion sei nur noch eine schäbige Propaganda für den Diktator Erdogan, und die beiden Fußballspieler sollen sich für diesen Schritt schämen. Sollen sie es wirklich?
 
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach stellt Özil und Gündogan an den Pranger: „Niemand erwartet von unseren Nationalspielern mit Migrationshintergrund, dass sie ihre Herkunft verleugnen. Aber von denen, die für unser Land spielen, sollten wir schon erwarten, dass sie wissen, dass nicht Erdogan, sondern Steinmeier ihr Präsident ist... Es ist mehr als nur befremdlich, dass beide auf diese Weise einem antidemokratischen, autoritären Herrscher huldigen“. Die Kritik ist an Zynismus kaum zu überbieten. Die ganze Flüchtlingspolitik der CDU-Parteichefin Angela Merkel beruht auf Liebäugeln mit dem „antidemokratischen und autoritären Herrscher“ Erdogan. Ein wesentlicher Teil der deutschen Rüstungsindustrie orientiert sich an der Befriedigung von Machtambitionen des türkischen Präsidenten. Mit deutschen Panzern tötet die türkische Armee die Kurden. Das wird stillschweigend akzeptiert. Dass zwei Deutsch-Türken mit Erdogan posieren, löst aber ein Skandal aus.
 
„Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten?“, fragte sich Gündogan. Dies würde der politischen Elite des Landes bestimmt gefallen. Und Alexander Gauland würde wahrscheinlich die beiden Fußballspieler als Nachbarn haben wollen. 

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