Politik
Pradeep Thomas Thundiyil/Shutterstock.com
Polizeigewalt: Opfer sind eingeschüchtert?
18.09.2019

Wie gewaltbereit ist eigentlich die Polizei in Deutschland? Mit dieser Frage beschäftigt sich eine Studie der Ruhr-Universität Bochum unter Leitung von Tobias Singelnstein, Professor am Lehrstuhl für Kriminologie der Ruhr-Universität Bochum. Zusammen mit seinen Kollegen wertete er 5677 Fragebögen von mutmaßlichen Opfern der polizeilichen Gewalt und kam zu einem Zwischenergebnis: die Polizei schlägt öfter als gedacht zu.

 

Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um die jungen Männer, die am meisten bei den Demonstrationen und Fußballspielen die Polizeigewalt erlebten. 16 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund. Ein Viertel der Befragten angaben, schwere Verletzungen wie Knochenbrüchen dabei erlitten zu haben. Doch die meisten Opfer erstatteten keine Anzeige.

 

Nur in 14 Prozenten der Fälle wurden überhaupt ermittelt und neun Prozent der Opfer trauten sich, eine Anzeige überhaupt aufzugeben. In manchen Fällen waren entweder die Zeugen aktiv oder es wurde gegen Polizeibeamte von Amtswegen ermittelt. Sieben Mal kam es zu einer Anklage – die meisten Fälle wurden aber eingestellt. Inwiefern kann man den für die Studie erhobenen Daten glauben? Die Befragten gaben ja ihre Antworten anonym. “Man ist in der Viktimisierungsforschung immer auf die Angaben der Befragten angewiesen. (...) Auch Polizeibeamte, die befragt werden, ob sie Opfer von Gewalt geworden sind, antworten anonym und teilen ihre subjektive Sicht mit. Da fragt auch niemand, wie valide und belastbar die Daten sind“, erklärte Singelnstein der Stern gegenüber. Die Vorwürfe der Stimmungsmache gegen Polizei weist der Professor zurück und wünscht sich, dass die Gewerkschaften das Problem ernster nehmen würden.

 

 

Tweet