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Prostitution: Staat verliert die Kontrolle
02.12.2019

In Berlin brummt das Geschäft mit der käuflichen Liebe. Doch scheint es dem Staat, finanziell zu wenig daran beteiligt zu sein. Laut dem im Jahr 2017 überarbeiteten Prostituiertengesetz (ProstG) sind Sexarbeiter zur Anmeldung ihrer Tätigkeit und dem Gesundheitscheck verpflichtet. Da die Sexdienste oft bar bezahlt werden, gestaltet sich die Kontrolle etwas schwierig.

Marcel Luthe, der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, stellte an die Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung eine parlamentarische Anfrage: Wie viele Prostituierte arbeiten derzeit in Berlin und wie viele von denen versteuern ihre Einnahmen nach dem „Düsseldorfer Modell“. Das Modell sieht vor, dass Liebesdienerinnen eine Tagespauschale an Bordellbesitzer zahlen und die Letzteren das Geld an zuständige Finanzämter abführen.Aus der Antwort der Behörde geht hervor, dass es lediglich 217 Prostituierte in Berlin gibt, die nach dem Düsseldorfer Modell arbeiten.

Dabei verfügt die Hauptstadt über rund 200 genehmigte Bordelle, in denen 2000 Sexarbeiterinnen ihre Dienste anbieten. Die tatsächliche Zahl der Prostituierten wird aber auf 8000 bis 10.000 geschätzt – die Kontrolle findet kaum statt. “Dass niemand sich dafür zu interessieren scheint, wie hoch die Einnahmen aus illegaler Straßenprostitution sind und wohin diese fließen, ist schlicht grotesk. Ebenso wenig wie den illegalen Drogenhandel bekämpft der Senat illegale Straßenprostitution und Zuhälterei, denn er interessiert sich nicht einmal für die notwendigen Kontrollen“, äußerte sich Luthe gegenüber der Berliner Morgenpost.

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