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Putins Mission in den Alpen: So funktioniert Russlands Plan
06.06.2018

In der Diplomatie ist es ganz wichtig, welches Land ein neu gewählter Präsident als erstes offiziell besucht. Der russische Präsident Wladimir Putin beginnt seine vierte Amtszeit mit dem Besuch von Österreich. Die Wahl soll als deutliches Signal an den Westen verstanden werden. Doch was bedeutet dieser Besuch wirklich?
 
Österreich war immer ein Land, das als Plattform für einen Dialog zwischen dem Westen und der Sowjetunion diente. Von daher ist es nicht zufällig, dass die überwiegende Zahl der Abrüstungsverträge genau in Wien geschlossen wurde. Auch heute spielt Österreich eine wichtige Rolle bei der Vermittlung zwischen Russland und der EU. Außerdem stellt Wien einen Gegenpol zur Machtdominanz von Deutschland und Frankreich in der EU dar. Ungarn, Tschechien und Polen schließen sich um Österreich zusammen, um gemeinsam die osteuropäischen Interessen zu verteidigen.
 
Der Interessenkonflikt in der EU spielt Putin in die Hand. Er will den Zusammenhalt der osteuropäischen Staaten nutzen, um die EU-Sanktionen gegen Russland zu kippen. Österreich war ein Land, das immer gegen die Sanktionen auftrat. Auch im Skripal-Skandal wollte Österreich Großbritannien nicht unterstützen, sodass Wien keine russischen Diplomaten ausgewiesen hat. Nach seinem Gespräch mit Putin kündigte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz an, dass Österreich seine EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte nutze, um die Beziehungen zwischen EU und Russland wiederzubeleben. „Wir glauben daran, dass eine Win-Win-Situation für beide Seiten besser ist als eine Lose-Lose-Situation“, so der Kanzler. Gerade das wollte Putin auch hören.
 

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