Politik
Quarantäne einer Millionenstadt
23.01.2020

Der Fernverkehr zu Lande und in der Luft ist unterbrochen, die Einwohner dürfen ihre Stadt nur bei triftigen Gründen noch verlassen: Aus Sorge vor dem Virusausbrauch in Wuhan ist die Elf-Millionen-Metropole quasi von der Außenwelt abgeriegelt worden. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, sollten ab Donnerstagmorgen Flüge, Zügen, Fähren und Fernbusse gestoppt werden.

Bewohner Wuhans dürfen die zentralchinesische Stadt demnach nur noch unter Angabe besonderer Gründe verlassen. In der Stadt, in der das neuartige Coronavirus vermutlich auf einem Tiermarkt ausgebrochen war, leben rund elf Millionen Menschen.

Hochsicherheitslabor in Wuhan

Neben der Tiermarkttheorie als Ursprung des Ausbruchs sind jedoch mittlerweile auch beunruhigendere (jedoch nicht bestätigte Vermutungen) zur Herkunft des Virus auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter aufgetaucht. 

Interessant in diesem Zusammenhang erscheint dieser Artikel aus dem Jahr 2015 - es wird hier über Chinas erstes Hochsicherheitslabor zur Untersuchung von hochansteckenden Infektionskrankheiten in, raten Sie einmal..- Wuhan berichtet.


„China eröffnet erstes Labor für Biosicherheit"

(German.people.cn - Montag, 02. Februar 2015)

Seit Samstag besitzt auch China ein Hochsicherheitslabor zur Untersuchung von hochansteckenden Infektionskrankheiten. Das mit französischer Hilfe gebaute Labor steht Wissenschaftlern aus aller Welt offen.

In Wuhan, dem Hauptort der zentralchinesischen Provinz Hubei, wurde am Samstag Chinas erstes Labor für Biosicherheit eingeweiht. Im sogenannten „National Biosafety Laboratory“ werden die Wissenschaftler in Zukunft hochansteckende und tödliche Viren wie Ebola untersuchen und Impfstoffe dagegen entwickeln.

Das mit modernster Technik ausgerüstete Forschungslabor der Schutzstufe 4 schließe eine wichtige Lücke bei der Bekämpfung von neuartigen Infektionskrankheiten wie Ebola, sagte Li Bin, die Vorsteherin der Nationalen Kommission für Gesundheit und Familienplanung, an der Einweihungsfeier.“

Quelle: http://german.people.com.cn/n/2015/0202/c209054-8844676.html

 

Coronavirus: Chinesische Metropole Wuhan unter Quarantäne

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Zudem wurden die Menschen aufgefordert, nur noch mit Schutzmasken in die Öffentlichkeit zu gehen. Wer in Hotels, Restaurants, Einkaufszentren oder Parks keine Maske trage, werde bestraft, berichtete die Zeitung „China Daily“. Wuhan ist von der Krankheit besonders schwer betroffen. Das Virus hat sich aber mittlerweile in großen Teilen Chinas und auch über die Landesgrenzen hinaus verbreitet. Die Krankheit war bereits in Japan, Südkorea, Taiwan, Thailand und den USA nachgewiesen worden.

Weil immer mehr Menschen mit Grippesymptomen auf das neue Virus getestet werden, nimmt die Zahl der bestätigten Fälle weiter zu. Bis Donnerstag wurde das Virus bei 571 Menschen nachgewiesen, wie die chinesische Gesundheitsbehörde berichtete. Darunter sind demnach 95 schwere Fälle, die alle in der Provinz Hubei mit der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan liegen.

WHO sieht noch keine Notwendigkeit für internationale Notlage

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief trotz der rasanten Zunahme von nachgewiesenen Infektionen mit dem neuen Virus vorerst keine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Der Notfallausschuss, der die WHO berät, sah dafür am Mittwoch keinen Anlass, wollte aber am Donnerstag erneut tagen. Der Notfall-Ausschuss empfahl, den Informationsaustausch unter den Staaten weiter zu verbessern, wie der Vorsitzende Didier Houssin sagte. Allerdings seien sich die Mitglieder des Notfallausschusses in der Beurteilung der Situation nicht einig gewesen.

Mit einer offiziellen „Notlage“ wären weitere konkrete Empfehlungen an Staaten verbunden gewesen, um die Ausbreitung über Grenzen hinweg möglichst einzudämmen. Zu solchen Empfehlungen kann beispielsweise gehören, dass Reisende auf Krankheitssymptome geprüft werden, und dass medizinisches Personal besser geschützt wird.

Wuhan-Virus jetzt auch in den USA angekommen

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In Europa gab es bis Mittwoch keine Nachweise. Für die Menschen in Deutschland besteht nach Einschätzung der Bundesregierung ein „sehr geringes“ Gesundheitsrisiko. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die EU-Präventionsbehörde ECDC sprach von einem moderaten Risiko, dass der Erreger in die Europäische Union eingeschleppt werde. Noch sei unklar, wie schwerwiegend und wie tödlich die Krankheit sei, meinte ECDC-Direktorin Andrea Ammon.

Das neue Virus gehört zur selben Art wie das, das 2002/2003 die Sars-Pandemie ausgelöst hat. Damals kamen etwa 800 Menschen dadurch ums Leben. Das neue Virus soll nach derzeitigem Stand eine harmlosere Variante sein. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu. Eine Pandemie ist eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Infektionskrankheit.

 

Prof. Dr. Klaus-Dieter Zastrow schätzt den derzeit grassierenden Corona-Virus als nicht besonders gefährlich ein. Mit Mundschutz und einem Desinfektionsmittel für die Hände könne man sich gut schützen. Gefährlich sei der Virus nur für Menschen mit Vorerkrankungen und für Babys.

 

 

Chefarzt über Corona-Virus: "Nicht besonders gefährlich"

UPDATE:

Laut der britischen BBC werden aktuell Vorbereitungen für die Isolierung weiterer chinesischer Großstädte getroffen. Die Stadt Huangang mit 7 Mio Bewohnern wird vorraussichtlich noch heute ebenfalls unter Quarantäne gestellt. Berichte über die Stadt Ezhou wurden ebenfalls veröffentlicht- hier wurde der öffentliche Nahverkehr eingestellt und die Schließung aller Bahnhöfe angekündigt. Sollten sich die Berichte bestätigen wären damit fast 20 Mio. Menschen unter Quarantäne - im Verleich zu Deutschland würde dies bedeuten, dass fast ein viertel der Gesamtbevölkerung isoliert wäre.

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