Politik
Collage
Anwohner werden mit dieser Hymne seelisch gefoltert
11.04.2018

„Sie nähern sich einer singenden Straße“, steht auf Schildern des friesischen Dorfes Jelsum im Norden der Niederlande. Wenn ein Autofahrer die erlaubte Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde auf dieser Straße überschreitet, hört die friesische Hymne „De âlde Friezen“. Die witzige Aktion wurde durch das Verkehrsamt der Provinz Friesland eingeführt. Die Anwohner finden jedoch diese Aktion überhaupt nicht lustig.
 
Je schneller ein Auto fährt, desto hektischer klingt die Hymne. Für die Autofahrer ist das ein Spaß, für die Anwohner – „seelische Folter“, beschweren sich die Menschen. Man muss die friesische Hymne schon sehr lieben, um das Gedudel Tag und Nacht zu ertragen, sagte ein Mann gegenüber dem niederländischen Fernsehen.
 
Für die Provinz Friesland war das außerdem ein teures Experiment. Die „patriotische“ Straße kostete 80.000 Euro. Das Repertoire wurde dem Kulturjahr angepasst. Frieslands Hauptstadt Leeuwarden wurde in diesem Jahr zum Kulturhauptstadt Europas gewählt. Für die friesische Minderheit, die ihre Autonomie zu bewahren pflegt, ist dieses Kulturereignis sehr wichtig.
 
Die Aktion „singende Straße“ verfolgte unter anderem das Ziel, die territorialen Grenzen der Provinz zur Geltung zu bringen. Gerrit Hofstra, Sprecher der Provinz Friesland, ist überzeugt, dass die Aktion erfolgreich gewesen sei. Die Technik funktioniere und die Autofahrer seien langsamer gefahren. Auf die Frage, ob das Experiment auf die anderen Straßen erweitert wird, antwortete Hofstra „Wir gucken mal.“

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