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Schulkrise: Klassenräume mutieren zu Krankenzimmern
23.03.2020

Die Corona-Krise kam und geht irgendwann wieder. Uns werden aber nicht nur die damit verbundenen Probleme beschäftigen, sondern auch die, die wir bis jetzt immer noch nicht gelöst haben. Dazu zählt ohne Zweifel auch der Lehrermangel. Der Lehrerberuf ist schon seit Langem unpopulär geworden und das ist durchaus nachvollziehbar. Aber die Politik hat es nicht eilig - wenn die ausgebildeten Lehrkräfte nicht mehr zu finden sind, schaffen es auch die Quereinsteiger. Eine Strategie, die es zu nichts bringen wird, denn selbst die erfahrenen Lehrer können die Fächer, von denen sie keine Ahnung haben, nach eigenen Angaben nicht unterrichten.

 

Eine Studie der Universität Rostock ergab, dass zwei Drittel der Lehrer in der Bundesrepublik überbelastet sind. Dreckige Unterrichtsräume, hoher Lärmpegel und andauernde Überstunden lassen die Motivation verschwinden. Die Lehrer sind längst nicht mehr nur diejenige, die das Wissen an die Kinder vermitteln sollen. „Wenn die Kinder schwierig sind, liegt das vor allem an den Eltern. Denn die erwarten von mir, dass ich die Erziehung nachhole, die sie zu Hause nicht schaffen.(...) Dazu kommt, dass viele Kinder wichtige Verhaltensregeln nicht kennen, wie "Bitte" und "Danke" zu sagen“, sagte eine 39-jährige Lehrerin aus Baden-Württemberg.

 

Ständig mutieren die Klassenräume regelrecht zu einem Krankenzimmer, weil die Eltern ohne jede Rücksicht ihre kranken Nachkommen zur Schule schicken. Da muss man sich nicht wundern, dass die Hälfte des Lehrpersonals, wie es vor der Schulschließung wegen Coronavirus der Fall war, krankheitsbedingt ausfällt. Die Kollegen müssen also einspringen. „Die Stunden (...), die ich für die kranken Kolleginnen und Kollegen einspringe, bekomme ich nur extra vergütet, wenn ich einen langfristigen Ausfall kompensiere“, erklärte ein Realschullehrer aus Hessen.

 

Auch eine aktuelle Umfrage unter Schulleitungen im Auftrag des VBE zeigt  eine deutliche Steigerung des Lehrermangels: 72 Prozent der Schulleiter der Haupt-, Real- und Gesamtschulen konstatieren einen Mangel an Lehrkräften an ihrer Schule. An den Grundschulen und Gymnasien fehlen jeweils 50 und 40 Prozent der Lehrer. „Unter steigender Belastung können Schulleitungen ihren Aufgaben nicht mehr so häufig gerecht werden, verlieren an Motivation und fühlen sich weniger unterstützt“, so der Chef des VBE Udo Beckmann. Dazu kommt, dass an 50 Prozent der Schulen inzwischen Quereinsteiger unterrichten, die «keine vorhergehende Lehramtsqualifikation erworben» haben. „Ein nach wie vor unverantwortlicher Zustand – sowohl für diejenigen, die meist motiviert und mit ihrem anderen beruflichen Hintergrund als Seiteneinsteigende in die Schulen kommen, als auch für die Kinder“, so Udo Beckmann. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, hat in der Problemlösung vorgemacht: Rund 2600 Grundschullehrer werden ab dem kommenden Schuljahr nach den Einkommensklassen A13/E13 vergütet, was den Lehrern monatlich 500 Euro mehr bringt.

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