Politik
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Skandal: Rettungsaktion von Flüchtlingen ist nur ein geniales Propagandastück von ARD?
12.08.2019

Die Enthüllungen über das Rettungsschiff Sea-Watch 3 drehen eine weitere Runde. Nun tauchte in sozialen Medien ein Video auf, das am Bord des Schiffes während des Wartens und Bangens auf Salvinis Erlaubnis aufgenommen wurde. Von erschöpften und leidenden Migranten sieht man erstaunlicherweise dabei gar nichts. Im Gegenteil – sie sind ein Teil der lebhaften Performance.

 

Rapper 2Nasty drehte ein „cooles“ Video mit afrikanischen Migranten auf dem Sea-Watch 3 und stellte das Werk auf sein offizielles Profil bei Instagram. Auf dem amateurhaften Video tanzen und performen im Meer gerettete Lybeer mit dem Repper zusammen, die einen sehr wohlwollenden und munteren Eindruck erwecken. Zu dem Video schrieb 2Nasty folgendes Kommentar: “Hier ist eine wirklich grobe Version von „Frieden und Freiheit“, die auf der Seewacht 3 während der 17-tägigen Pattsituation im Juni aufgenommen wurde und unseren Teil dazu beiträgt, positiv an Bord zu bleiben. Musik ist eines der größten Outlets aller Zeiten. Alle faszinierenden Menschen aus diesem Video befinden sich jetzt in einem Flüchtlingslager auf Sizilien und warten darauf, ohne jede Information darüber, wo und wann verlegt zu werden.“

 

2Nasty war nicht der einzige, der am Bord drehte. Auch ein TV-Team des ARD-Magazins „Panorama“ begleitete die Fahrt. Das Videomaterial wurde aber nie ausgestrahlt – das passt wohl nicht ins Bild, was von den Mainstream-Medien erwartet wurde. Der Journalist Daniel Matissek äußerte in seinem Facebook-Beitrag der naheliegenden Verdacht, dass die gesamte Rettungsaktion nichts anderes als ein Fernsehspiel für die ARD sei. “Was sich hier abzeichnet, ist ein ungeheuerlicher Skandal – denn anscheinend handelte es sich bei der ganzen Fahrt der Sea-Watch bis hin zur Verhaftung der Kapitänin um nichts weiter als ein geniales Propagandastück“, so Matissek.

 

Nun hat das Portal Mimikama Seawatch mit dem Thema konfrontiert und folgende Stellungsnahme von dem Pressesprecher von Sea-Watch e.V. Chris Grodotzki erhalten: Die Person hinter dem Rapper-Pseudonym „2Nasty“ war als IT-Techniker Teil der Crew der Sea-Watch 3, auf der Mission vom 09. bis 29. Juni 2019. Während des 17-tägigen Stand-Offs, während dem der Sea-Watch 3 die Einfahrt in den nächsten sicheren Hafen, Lampedusa, und die Anlandung der geretteten Menschen verweigert wurde, nahm “2Nasty” einige Videoschnipsel auf, in denen er rappte und Gäste mit ihm tanzten und sangen.

 

Später veröffentlichte er Teile der Videos auf seinen Social Media-Kanälen, ohne das Sea-Watch Medienprotokoll für Crewmitglieder zu beachten. Er wurde von Sea-Watch gebeten, die Videos wieder offline zu nehmen, da sie nicht die hohen repräsentations- ethischen Standards erfüllen, die wir für Veröffentlichungen von unserer Seite oder von Seiten unserer Aktivist*innen erwarten – aus einem ganz einfachen Grund: Unsere Gäste, die Menschen, die wir auf See antreffen und retten, sind die Menschen, um die es in dieser Geschichte gehen sollte. Sie sind die Held*innen und gleichzeitig die Betroffenen des Ausnahmezustandes an der europäischen Mittelmeer-Grenze. Sie erleiden, überwinden und nehmen unfassbare Herausforderungen auf sich, um sich selbst und ihre Lieben zu retten. Sie sollten NICHT als Backup-Tänzer*innen für weiße, westliche Musiker*innen dargestellt werden. (Wir wissen, dass diejenigen, die an diesem Video teilgenommen haben, dessen Erstellung zugestimmt haben. Viele der teilnehmenden Personen haben das Singen und Tanzen, als Ausdruck ihrer Selbst, auf dem Schiff aus freien Stücken und von sich aus eingebracht. Dieses Video transportiert jedoch keine solche selbstbestimmte Botschaft, sondern reduziert die Menschen auf Hintergrund-Tänzer*innen.)

Wir haben andere Aufnahmen von Gästen und Crew, die sich auf verschiedene Weise positiv ausdrücken (durch Gesang, Lachen, Tanz, Gebet etc.), die wir gerne teilen und zeigen, weil sie den Geist der Solidarität an Bord unseres Schiffes sichtbar machen und die Stärke und Würde der Menschen viel besser darstellen als ein einseitiger Foto-Stream von Traurigkeit und Verzweiflung.

Nur weil Menschen sich in einer Notlage befinden, bedeutet das nicht, dass sie keinen Trost in positiven Gefühlsausdrücken finden und versuchen sich aufzuheitern. Gerade wenn man tage- und wochenlang an Bord eines Schiffes verbringen muss, braucht man Beschäftigung und Ablenkung, und wir sind froh und dankbar für die Kreativität vieler unserer Besatzungsmitglieder (und der Gäste selbst), solche Möglichkeiten zu schaffen, z.B. durch die Organisation von Musik-Sessions, Sportübungen und Spielen an Bord unseres Rettungsschiffes.

Abgesehen davon gab es natürlich viele Menschen, die nicht am Rap-Video teilnahmen, schließlich ist nicht jede*r immer in der gleichen Stimmung und Verfassung. Andere Menschen, von denen wir berichteten, dass sie suizidal und in einem alarmierenden psychologischen Zustand waren traten im Video nicht in Erscheinung. Sie wurden von unserer Crew in einer abgeschirmten, nicht-öffentlichen und vertraulichen Umgebung betreut.“

 

 

 

 

 

 

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