Politik
Tödliche Lungenkrankheit noch zu stoppen?
21.01.2020

Es beginnt wie jede andere beliebige Infektion. Hohes Fieber, Husten, vielleicht eine Lungenentzündung. Doch der Verlauf der Krankheit kann tödlich enden. Am Freitag meldeten die chinesischen Behörden 17 neue Fälle, am Samstag weitere 59 Erkrankungen. Am Sonntag kamen noch einmal 77 Patienten hinzu, auch am Montag stiegen die Zahlen weiter. Insgesamt sind nun mehr als 200 Menschen an den Lungenentzündungen mit Fieber, Husten und gelegentlicher Atemnot erkrankt. Drei von ihnen haben die Infektion nicht überlebt.

Täglich gibt es neue Zahlen dazu, wie viele Menschen bereits infiziert sind. Hunderte dürften es schon sein, möglicherweise längst Tausende. Und wie bei jedem neuen Erreger, der Menschen befällt, stellen sich die großen Fragen: Wie ansteckend ist das Virus? Wird es von Mensch zu Mensch übertragen? Droht vielleicht eine neue, weltweite Pandemie?

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Coronavirus in China: Mensch-zu-Mensch-Infektion bestätigt

Diese Vermutung ist nun bestätigt: Die grassierende Lungenkrankheit in China kann in Form einer sog. Tröpfcheninfektion auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. 

Der Leiter des Expertenteams der Nationalen Gesundheitskommission in Peking Zhong Nanshan gab nun in einem Interview bekannt, über 95 Prozent der Fälle stehen im Zusammenhang mit Wuhan, der Stadt in der das Virus zuerst im Dezember auftauchte.

"Die Betroffenen waren dort (in Wuhan) oder kamen dort her", erklärt er. "Für zwei Fälle ist jetzt außerdem eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Ein Fall in der Provinz Kanton, der andere in Wuhan." Auch medizinisches Personal habe sich angesteckt. "Insgesamt 14 Menschen, die vorher Patienten mit dem neuartigen Coronavirus betreut hatten", so Nashan.

Die Ausbreitung des Virus in Wuhan ist noch in einem frühen Stadium, sagt er. 100 Fälle in einer Stadt mit mehr als zehn Millionen Einwohnern sind eine kleine Zahl. In Alarmbereitschaft müssen sie trotzdem sein, betont er. "Wir können den Ausbruch verhindern, wenn jetzt die richtigen Maßnahmen getroffen werden."

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WHO beruft Notfallausschuss ein


Wegen der neuartigen Lungenkrankheit in China hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten sollen am Mittwoch darüber beraten, ob eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen werden soll.

Ruft die WHO einen derartigen Gesundheitsnotstand aus, empfiehlt sie damit schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen, das Einrichten von spezialisierten Behandlungszentren oder mögliche Impfungen medizinischer Fachkräfte gehören.

Japan bestätigt Fall mit neuem Coronavirus

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Einen Vergleich mit dem SARS- Ausbruch von 2003 will Nanshan jedoch vermeiden.
Es habe (diesmal) nur zwei Wochen gedauert, den neuen Coronavirus zu identifizieren und ein wirksames Überwachungs- und Quarantäne-System zu installieren.
Nashan erklärt weiter: "Ich denke nicht, dass es so ernste soziale und ökonomische Auswirkungen geben wird, wie bei SARS vor 17 Jahren.“

Der neue Virus stammt jedenfalls aus derselben Familie von Coronaviren, zu der auch das Schwere Akute Atemwegssyndrom (SARS) gehört. Diese Erreger erscheinen unter dem Mikroskop als rundliche Gebilde und tragen auf ihrer Oberfläche stachelartige Auswüchse. Seuchenexperten und Virologinnen haben bereits Hunderte von Arten beschrieben. Sie können bei Menschen und Tieren Krankheiten verursachen, meist sind – wie auch aktuell – die Atemwege betroffen. Am SARS-Virus starben 2002/2003 schätzungsweise zwischen 800 bis zu 1000 Menschen. Die chinesische Regierung hatte damals den Ausbruch der Krankheit vertuscht und längere Zeit verharmlost.

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