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Veranstaltungen für Flüchtlinge: Alle kommen nur keine Flüchtlinge selbst
11.04.2018

Ein Stuttgarter Willkommenscafé veranstaltet verschiedene Events für Flüchtlinge. Die Idee ist, die Menschen aus anderen Kulturkreisen mit der deutschen Kultur vertraut zu machen. Die Umsetzung der Idee hapert allerdings an mangelndem Interesse seitens der Ankömmlinge. Ein Musikabend ist zum Beispiel gescheitert, weil kein Mensch zur Veranstaltung gekommen ist.
 
Ein internationaler Chor wurde zum Musikabend eingeladen. Die Broschüren wurden gedruckt und in Flüchtlingsheimen verteilt. Trotz aller Mühe kam zur Veranstaltung kein Flüchtling. „Die Broschüre war auch nur auf Deutsch verfasst, vielleicht war das ein Fehler“, versucht der Veranstalter Klaus Eberle, die unangenehme Situation zu erklären. Allerdings muss er einräumen, dass auch die anderen Veranstaltungen keine besondere Popularität unter den Flüchtlingen genießen. „Irgendwann ist das Interesse daran aber gebröckelt, sodass es sich nicht mehr gelohnt hat, sich dafür jeden Dienstag zu treffen“.
 
Die Kulturevents sind zwar eine interessante Form der Integration. Man muss aber auch eine gewisse Relativierung mitberücksichtigen. Nicht jeder Mensch muss die Musik mögen oder von dem Repertoire des Chors mitgerissen sein. Doch auch bei Veranstaltungen zur Übung der deutschen Sprache hielt sich das Interesse der Flüchtlinge in Grenzen. Nichtsdestotrotz gibt Eberle nicht nach. „Wir haben gelernt, die Voraussetzungen und Erwartungen ständig zu überdenken. Es sind völlig verschiedene Menschen, die aufeinandertreffen. Wir müssen auch lernen, wie diese Menschen empfinden.“

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