Politik
Wer hat den Drohnenangriff an die New York Times verraten?
09.01.2020

Nach dem „Drohnen-Anschlag“ auf den iranischen Top-General Qassem Soleimani fürchtet die Welt eine große kriegerische Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran. Ein pikantes Detail lässt jedoch aufhorchen und wirft einige Fragen auf. Ein Artikel der „New York Times“ spielte bereits einen Tag vor der Ermordung auf ein genau gleiches Szenario und Attentat an. Zufall? Oder war der Artikel als eine Art Ankündigung zu verstehen?

Der hochrangige General Qassem Soleimani wurde  am dritten Januar 2020 in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad um 1.00 Uhr (nachts) Ortszeit durch einen US-Raketenschlag getötet. Soleimanis Flugzeug war nur Minuten vorher im Irak gelandet. Der Top-General hatte die Maschine verlassen. Dann erfolgte der tödliche Anschlag auf ihn, der nun die Welt in einen weiteren kriegerischen Konflikt reißen könnte.

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Der exakte Zeitpunkt der gezielten Ermordung des iranischen Offiziers durch die USA ist in dem Zusammenhang überaus wichtig. Denn: Bereits am zweiten Januar – also schon einen Tag vor dem US-Mordanschlag auf den Iraner – hatte die von Trump des öfteren als „fakenews“ oder „failing NYT“ bezeichnete US-Zeitung „New York Times“ einen Artikel veröffentlicht, in dem genau ein solches Szenario entworfen wurde. Darauf machen seit Tagen kritische Beobachter aufmerksam.

Der besagte „New York Times“-Beitrag ist eigentlich ein allgemeiner Rüstungs- und Technologie Artikel über die neue Waffengattung der Hyperschallwaffen. Der nunmehr ermordete General Soleimani wird darin kurz in einem Absatz erwähnt. 

„Gibt es eine Person in einem unfreundlichen Land, die nicht festgenommen werden kann? Was, wenn der ehemalige Befehlshaber der iranischen Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, zu einem Treffen nach Bagdad kommt und man (die USA, Anm. d. Red.) dessen genaue Adresse kennt? Die Versuchungen, Hyperschallraketen gegen diese Person einzusetzen, wären dann überaus verlockend.“

Die NY Times tweetete den Artikel nur wenige Stunden vor der tatsächlichen Eliminierung des Generals.

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Am Ende richteten zwar keine Hyperschallraketen, sondern konventionelle US-Raketen, den Iran-General hin – aber trotzdem bleiben viele Fragen: Was hat die „New York Times“ dazu bewogen, genau diesen Text mit dem Absatz über Soleimani zu veröffentlichen? Speziell einen Tag vor dessen echter Ermordung? Wieso hat Gastautor Steven Simon seinen Text über allgemeine Hyperschallwaffen-Systeme genau so gestaltet? Warum hat er darin überhaupt dieses Szenario entworfen und wieso ist er bei seinem Beispiel genau auf den iranischen General gekommen?

Der eigentliche Job des „New York Times“-Gastautors könnte Teil der Antwort sein: S. Simon ist Analytiker am „Quincy Institute“ und unterrichtet zudem Internationale Beziehungen am Colby College nahe im Bundesstaat Maine. Sprich: Steven Simon, der Autor des Artikels, ist Militär-Analytiker bei einem wohl regierungsnahen Think Tank in der US-Hauptstadt.

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Da den Redaktionen und Journalisten der „New York Times“ seit jeher gute Kontakte zu US-Geheimdiensten wie der CIA sowie zum US-Militär nachgesagt werden, ist es nicht weiter verwunderlich, dass ein Militär-Analytiker aus Washington einen Gastbeitrag verfasst.

Die zeitnahe Ankündigung der US Medien von zukünftigen Attentaten, Kriegsverbrechen oder gezielten Ermordungen seitens der US-Streitkräfte scheinen jedoch eine neue Dimension erreicht zu haben.