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„Dummes deutsches Geld“: Was machen deutsche Anleger falsch?
07.11.2019

In der Finanzwelt spricht man spöttisch über „dummes deutsches Geld“. Damit wird gemeint, dass die Deutschen zwar eine Nation der Anleger sind, die Anlagen erzielen aber nur mickrige Rendite. Der Bonner Ökonom Moritz Schularick hat zusammengerechnet, dass die deutschen Anleger um 3 Billionen Euro reicher wären, wenn sie ihr Geld seit 2007 genauso investiert hätten wie die Kanadier. Nach diesem überraschenden Vergleich drängt sich die Frage auf, was bei uns falsch gemacht wird und wie man effizienter mit Ersparnissen umgehen kann.
 
Zunächst aber zu den Zahlen. Nominalrendite der deutschen Investitionen belaufen sich im Durchschnitt auf etwa 5 Prozent. Im Industrieländervergleich schneidet nur Finnland schlechter ab. Deutschlands Nachbarn Frankreich und Italien kommen auf Renditen von 7 bis 8 Prozent. Schularick führt das schlechte Ergebnis auf „die deutsche Scheu, Geld in risikoreichere Anlageformen wie Aktien zu stecken“ zurück. Wenn es um die Investitionen ins Ausland geht, fließt das deutsche Geld zu zwei Dritteln nach Europa und nur zu rund 12 Prozent in Entwicklungsländer.
 
Ob die Risikoabneigung tatsächlich so „dumm“ ist, kann man eindeutig nicht sagen. Der von Schularick gemachte Vergleich mit Kanada ist auch umstritten, denn es könnte durchaus sein, dass nur eine kleine Gruppe der kanadischen Investoren einen Erfolg verzeichnen konnte, während weniger gewiefte kanadische Anleger ihr Geld verloren haben. Die angeführte Statistik gleicht in diesem Fall einer „Durchschnittstemperatur der Patienten in einem Krankenhaus“ - sie liegt bei 36,6 Grad, während die eine Hälfte der Patienten an Fieber und die andere an Unterkühlung stirbt.    
 

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