Wirtschaft
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„Große Depression“ in Europa bahnt sich an
06.11.2019

Mit dem Begriff „Große Depression“ bezeichnet man die schwerste Wirtschaftskrise in den USA, die 1930er Jahre dominierte und nicht zuletzt für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mitverantwortlich war. Vermögensverwalter Ralf Borgsmüller geht in seinem Interview mit Focus Online davon aus, dass Europa eine ähnliche Wirtschaftskrise erleben kann.
 
„Niemand kann doch eine Depression wie in den 30er Jahren wollen. Genau das würde in Japan und auch in Europa passieren, wenn die Notenbanken ihre Unterstützung einstellen – mit schweren sozialen und politischen Folgen. Die Welt ist inzwischen so überschuldet, dass eine Krise ein gewaltiges Ausmaß annehmen würde“, sagt der Experte. Das soziale System könne nur dann funktionieren, wenn es mit immer neuem Geld am Laufen gehalten werde. Wie lange können die Notenbanken die Wirtschaft mit neuem Geld ernähren, ohne dabei die Inflationsrate in die Höhe zu treiben, kann niemand sagen.
 
„Das Problem der Ungleichheit in der Bevölkerung wird immer weiter wachsen. Denn durch die Vermögenspreisinflation werden diejenigen, die Vermögen haben wie Aktien, Immobilien oder Kunst immer reicher, ohne dass sie etwas dafür tun müssen. Hier werden der Staat und/oder die Notenbank den Benachteiligten und Vermögenslosen helfen müssen, etwa über Grundeinkommen, Steuersenkungen oder sogar Helikoptergeld, damit die Schere nicht zu weit auseinandergeht“, so Borgsmüller. Genau dies war der Fall in den USA in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Diese Zeit ist als eine der schlimmsten Perioden in die Geschichte des Landes eingegangen. Man kann nur hoffen, dass Politiker einen Ausweg aus der sich anbahnenden Wirtschaftskrise finden.      

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