Wirtschaft
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Jobcenter-Mitarbeiterin packt aus
04.08.2017

Über Jobcenter kann man lange diskutieren. In einem Vice-Beitrag erzählt eine Jobcenter-Mitarbeiterin, die unbekannt bleiben möchte, von ihrem Job und beantwortet alle Fragen sehr offen. Sie erklärt in einem Interview, was sie wirklich von ihren Kunden hält. „Die meisten, die zu mir kommen, wollen einfach nur schnell wieder einen Job. Aber manche Kunden sehe ich so oft, da denke ich: "Na, du schon wieder?" Wenigstens kommen die zu Terminen. Es gibt auch die, die ihre Termine einfach vergessen. Einen habe ich mal angerufen und nachgefragt. Der hat nur gesagt: "Ich war müde und hab geschlafen."
 
Auch das Thema Sanktionen ist ein Thema für sich. Allerdings geht es nicht, Sanktionen zu verhängen, nur wenn jemand unsympathisch vorkommt. „Selbst wenn ich das wollte, geht es nicht. Die Sanktionen sind festgelegt. Zehn Prozent, wenn man einen Termin platzen lässt zum Beispiel. Wenn man nicht spürt, dass sanktioniert wird, bringt es nichts. Wenn es fünf Euro Strafe wären, würden die Kunden mit den Schultern zucken. Aber wenn sie merken, dass ihnen drei Monate lang zehn Prozent fehlen – das schreckt schon ab“, erklärte die Mitarbeiterin. 
 
Auch zum Thema Vorurteile gegen Flüchtlinge hat sie eine Stellung bezogen. „Die kriegen gar nichts geschenkt. Es nervt mich, dass dieses schlechte Bild entsteht, weil ein paar Mist bauen“, so die Mitarbeiterin. Die gemeldeten Flüchtlinge, die einen Sprachkurs besuchen, gelten aber nicht als arbeitslos. Sie seien arbeitssuchend.
 
Auch Menschen, die eine Weiterbildung oder ein Praktikum absolvieren, fallen ihrer Schilderung zufolge aus der Statistik. „Die Arbeitslosenstatistik ist total beschönigt. Offiziell gibt es 2,7 Millionen Arbeitslose. Rechnet man alle dazu, die aus der Statistik fallen, sind es rund eine Million mehr“. 

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