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Lehrerausbildung: Lesen und schreiben ist irrelevant?
02.05.2019

Um ein Lehrer in Großbritannien zu werden, kann man ein Pädagogen-Trainingsprogramm namens „Teach First“ absolvieren. „Wir halten die höchsten Standards für jeden Kandidaten, der an unserem Lehrerausbildungsprogramm teilnimmt. Jeder Teilnehmer muss über einen Abschluss verfügen, Fachkenntnisse über das von ihm unterrichtete Fach sowie Kenntnisse in Mathe und Englisch besitzen“, so „Teach First“. Ob man aber lesen und schreiben kann, spielt eine untergeordnete Rolle, wie ein Vorfall in einer Londoner Schule beweist.
 
Faisal Ahmed wurde nach Abschluss des „Teach First“-Programms bei der St. Thomas More Catholic School als Lehrer angestellt. Nach nur wenigen Minuten kam aber heraus, dass der angehende Lehrer, der schon über 30 Jahre alt war, weder schreiben noch lesen kann. Ahmed wurde von der Schulleitung entlassen.
 
Nun stellt sich heraus, dass der Lehrer kein Analphabet war, sondern an Dyspraxie litt. Diese Koordinations- und Entwicklungsstörung gilt als Behinderung, die Ahmed nur nach wenige Minuten lesen und schreiben „Schmerzen“ bereitete. „Teach First“ informierte die Schule darüber nicht. „Wir haben immer Bewerbungen von Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen begrüßt und arbeiten mit ihnen (…), um sicherzustellen, dass der Unterricht immer von höchster Qualität ist“, äußerte sich „Teach First“. Die Ahmeds Klage gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderung ist erfolglos geblieben.

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