Wirtschaft
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Neue Opfer von Döner-Verboten
06.03.2020

Döner-Verbote verbreiten sich in Deutschland. Zuerst hatte das Lebensmittelüberwachungsamt in Weimar beschlossen, dass Döner in dieser thüringischen Stadt nicht mehr Döner heißen dürfen. Wer künftig einen Döner bestellen will, muss sich einen neuen Namen merken: Drehspieß im Fladenbrot. Nun ist die Stadt Dortmund (NRW) dran. Das Lebensmittelüberwachungsamt hat einige Kebab-Besitzer dazu verdonnert, den Döner von der Speisekarte zu streichen.
 
Man muss sofort alle Gegner von Fremdwörtern in der deutschen Sprache enttäuschen: Das Lebensmittelüberwachungsamt kümmert sich nicht um die Grammatik der deutschen Sprache. Die Behörde hat sich aber akribisch mit der Bedeutung der Wörter auseinandergesetzt. Das „Deutsche Lebensmittelbuch“ schreibt ganz genau vor, was einen echten Döner ausmachen soll. Schaf oder Rind, dazu Hack, Eier, Gewürz, Öl, Zwiebel, Milch und Joghurt. Es klingt gut, aber die Großhändler, bei denen die Dönerläden Fleisch einkaufen, halten sich nicht an die Vorschriften des deutschen Lebensmittelbuches und geben Geschmacksverstärker hinzu. Die Behörde hat aus dieser Tatsache eine logische Schlussfolgerung gezogen: Das ist eben kein Döner mehr.    
 
Eigentlich hätte das Lebensmittelüberwachungsamt die Großhändler dazu auffordern sollen, die Vorschriften zu beachten. Das wäre eine konsequente Handlung gewesen, nachdem das Problem erkannt wurde. Stattdessen wurde ein Beschluss gefasst, der bereits als „Behörden-Irrsinn“ von vielen Medien bezeichnet wurde. Wenn ein Döner nun ein Drehspieß mit Fladenbrot heißen sollte, wird das echte Problem, dass das Produkt durch Geschmacksverstärker ungesund ist, nicht behoben. Das verstehen alle, bis auf das Lebensmittelüberwachungsamt.

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