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Tiefe Krise der Automobilindustrie: „Lasst uns alle beten, dass das Geld kommt"
24.09.2019

Den Autozulieferern wurde von einer Studie eine baldige Bruchlandung prophezeit. Nun geht es schneller, als vermutet: auf die Branche rollt eine Pleitewelle zu. Zwei große Unternehmen sind bereits ruiniert, ein weiteres kämpft ums Überleben. Die Arbeitsplätze fallen der Branchenflaute zum Opfer.

Die Unternehmensberatung Roland Berger und die Investmentbank Lazard bezeichnen die Situation als eine "Vollbremsung". So muss das Werk der Brandl Maschinenbau GmbH im niederbayerischen Pfeffenhausen Ende 2020 geschlossen werden. Ein "dramatischer Umbruch der Automobilzuliefererindustrie" nannte das Unternehmen als Grund dafür. Dabei gehen 120 Arbeitsplätze verloren. An den Standorten Kaplice (Tschechien) und Sibiu (Rumänien) soll es aber weitergehen. Auch der schwäbische Lackieranlagenbauer Eisenmann und der süddeutsche Zulieferer Weber Automotive verloren ihren Kampf gegen den „Sturm der Mobilitätswende“. 

Auf einer Informationsveranstaltung für die Arbeitnehmer appellierte Thorsten Dellmann, der Sprecher des IG-Metall an die Versammlung: "Lasst uns alle beten, dass das Geld kommt." In Saarbrücken und Leipzig warten seit Wochen rund 1500 Mitarbeiter des Konzerns auf ihr Gehalt. Laut dem "Handelsblatt" zögern die potenziellen Geldgeber VW, GM und Deutz mit der Zusage, infolgedessen fehlt dem IG-Metall "ein mittlerer einstelliger Millionenbetrag". Die Gründe für die Branchenmisere sind längst bekannt: der schwache Pkw-Absatz in China, die allgemeine konjunkturelle Abkühlung sowie strukturelle Veränderungen im Rahmen des Wandels zur Elektromobilität tragen unmittelbar dazu bei. Die Investitionen in die Entwicklung der neuen Produkte können sich viele Unternehmen einfach nicht leisten.

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