Wirtschaft
Türkische Schmugglerbande durch Großrazzia aufgeflogen
19.11.2019

In Nordrhein-Westfalen sind seit etwa sechs Uhr am Dienstagmorgen dutzende Kriminalbeamte im Einsatz. 
Derzeit findet in hier eine Großrazzia gegen Banker statt, denen von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf vorgeworfen wird, große Geldsummen von Deutschland heimlich in die Türkei transferiert zu haben.
Durchsucht werden unter anderem Metallfirmen, Juweliere und Privatwohnungen von Verdächtigen. Gegen insgesamt sechs Personen gibt es Haftbefehle. Es besteht der Verdacht des Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und auf Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Hawala - Das geheimnisvollste Banksystem der Welt

Die 27 Beschuldigten im Alter zwischen 23 und 61 Jahren sollen im großen Stil Bargeld aus Deutschland ins Ausland transferiert haben. Der Schwerpunkt der Durchsuchungen liegt offenbar in NRW. Der Hauptverdächtige soll demnach aus Duisburg kommen und dort unter anderem einen Metallhandel führen. Weitere Durchsuchungen gibt es auch in anderen Städten in NRW, zum Beispiel in Neuss und Düsseldorf. Razzien laufen auch in Hessen, Berlin und in den Niederlanden. Ziel der Aktionen soll es auch sein, Geld zu beschlagnahmen. Es soll um eine Gesamtsumme von mehr als 200 Millionen Euro gehen. Zudem würden sechs Haftbefehle vollstreckt.

Die Verdächtigen sollen zu einem sehr gut organisierten Netzwerk gehören und für ihre Transaktionen ein sogenanntes Hawala-Bankensystem benutzt haben. Dieses System wurde früher traditionell vor allem in muslimischen Ländern angewandt.

Es funktioniert vereinfacht so: Geld - womöglich aus illegalen Quellen - wird bei einem Hawala-Banker in bar eingezahlt. In einem anderen Land wird die gleiche Summe an einen Empfänger in bar ausgezahlt. Über beide Vorgänge gibt es keinen elektronischen Nachweis. So könnten beispielsweise auch Gelder aus illegalen Geschäften transferiert werden.

Genutzt wird Hawala-Banking zum Beispiel von Migranten, die ihren Angehörigen Geld in die Heimat schicken möchten, aber auch von Kriminellen, um Geld aus illegalen Geschäften weiterzuleiten oder von Terroristen. Egal, aus welcher Quelle das transferierte Geld kommt: In Deutschland ist es verboten, so ein bankähnliches System ohne Banklizenz zu betreiben.

Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass sie in Deutschland eine ganze Reihe von Einzahlungsstellen betrieben haben soll, oft sollen Juweliergeschäfte dafür genutzt worden sein. Ausgezahlt wurde das Geld mutmaßlich in Istanbul. Pro Tag sollen so bis zu einer Million Euro transferiert worden sein. Allerdings soll es deutlich mehr Zahlungen in die Türkei gegeben haben als umgekehrt.