Wirtschaft
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Obdachloser erklärt: Darum will ich kein Hartz IV
10.04.2018

Der Obdachlose Richard Brox, der seit 30 Jahren auf der Straße lebt, hat im Focus-Online Interview seine ganz eigene Sicht auf die deutsche Gesellschaft und Hartz IV erklärt. Staatliche Hilfe hat er immer abgelehnt, weil er der Meinung ist, dass Hartz IV niemandem hilft. „Hartz IV hat unsere Gesellschaft in eine Neid-Gesellschaft verwandelt“, sagte der Mann im Focus.
 
Die deutsche Gesellschaft zeichne sich seiner Ansicht nach durch zunehmende Respektlosigkeit aus. „Hass, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit – all das hat sich seit 2004 verschlimmert, obwohl es uns gesamtwirtschaftlich so gut geht wie lange nicht mehr. Damals wurden die Hartz IV-Reformen eingeführt“, sagte Brox. Der Obdachlose sprach dabei von einer Welle, die von unten nach oben durch die ganze Gesellschaft schwappt. „Hartz IV ist nicht die Lösung des Problems, sondern die Ursache dieser Zustände“.
 
Brox weiß ganz genau, dass existenzgefährdende Einschnitte im Leben wie Scheidung, Schulden, Todesfälle, sowie seelische Probleme wie Depressionen, Psychosen oder Neurosen jeden treffen können. Dadurch verliert man Anschluss. „Menschen, die sich in einer solchen Situation wiederfinden, brauchen zwei Dinge: Zeit und Hilfe. Zeit, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern, um Wunden zu heilen oder Probleme zu lösen. Die meisten Menschen sind mit so etwas überfordert. Deshalb brauchen sie Hilfe“. Dabei gehe es nicht nur um finanzielle Hilfe, sondern solidarische Hilfe. Hartz IV aber verschlimmert die Situation. „Die Menschen finden keine Ruhe zu gesunden. Stattdessen haben sie Angst, dass ihnen die letzte Stütze genommen wird. Sie müssen sich fügen“, sagte Brox im Bezug auf Jobcenter –Sanktionen.
 
 
„Armut in Deutschland wird sehr häufig ausgelöst durch Hartz IV. Und von Hartz IV ist es nur noch ein kleiner Schritt in die Obdachlosigkeit. Diese Angst lähmt jeden, der nach unten durchrutscht. Wer obdachlos ist, ist wirklich draußen“, sagte Brox und wies auf eine Lösung hin. Das wäre ein Grundeinkommen. Denn: „Mit, sagen wir, 1000 Euro im Monat kann sich jeder zumindest ein kleines Zimmer leisten, vielleicht auch in einer Pension“, erkläret der Obdachlose. „Wenn es ein Grundeinkommen gibt, dann gibt es keinen Grund mehr zu meckern und zu nörgeln“.

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