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Weniger ist mehr: Microsoft verkürzt Arbeitswoche und staunt über die Ergebnisse
13.11.2019

Das war eigentlich nur ein Experiment. Die Ergebnisse waren aber so beeindruckend, dass man davon ausgehen kann, dass immer mehr Unternehmen das neue Arbeitszeitmodell in Anspruch nehmen. Konzern Microsoft ist ein Pionier, der seinen 2300 Mitarbeiter in Japan testweise bei vollem Lohnausgleich nur vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten ließ. Die Produktivität stieg dabei um 40 Prozent. Außerdem sparte der Konzern an Betriebsausgaben. Der Stromverbrauch wurde um ein Viertel und Papierverbrauch um die Hälfte reduziert. Microsoft-Vorstand war von den Ergebnissen so begeistert, dass die Testphase weltweit verlängert wird. 

Die Idee, weniger zu arbeiten, ist übrigens nicht neu. Sie wurde bislang nur aus Umweltfreundlichkeit heraus diskutiert. Der Umwelt zuliebe sollte man nur noch sechs Stunden pro Woche arbeiten. Zu diesem Ergebnis kam ein britischer Think-Tank Autonomy und verfasste einen Bericht, indem behauptet wurde, dass dieses Arbeitszeitmodell die globale Klimaerwärmung auf zwei Grad beschränken werde. Dass diese Theorie unrealistisch ist, verstehen die Autoren dieser Studie. „Um eine grüne, nachhaltige Gesellschaft zu werden, müssen wir auf eine ganze Reihe von Strategien setzen - eine kürzere Arbeitswoche ist nur eine davon“, erklärte Institutsleiter Will Stronge. 

Microsoft hat nun gezeigt, dass die Verkürzung der Arbeitswoche auf vier Tage nicht nur ein voll realistisches, sondern auch ein gewinnbringendes Unterfangen sein kann. Tarifexperte Norbert Reuter von der Gewerkschaft Verdi weist aber auch auf einige Risiken hin, die mit diesem Modell verbunden sind: „Wenn die Arbeitstage lediglich von fünf auf vier Tage verkürzt würden ohne jegliche Reduzierung des Arbeitspensums, hätten die Arbeitgeber keinerlei Nachteile, die Beschäftigten aber mit einer höheren Arbeitsbelastung zu kämpfen“, so der Experte. 

 

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