Wirtschaft
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Wohneigentum für die Jugend: Ein Traum, der selbst mit einem guten Job nicht realisierbar ist
05.11.2018

Es gab in Deutschland Zeiten, als sich fast jeder dreißigjährige Bürger mit einem sicheren Job eine Immobilie leisten konnte. Diese Zeit ist vorbei. Die Immobilien-Preise in Deutschland schlagen nicht nur nationale Rekorde. Nirgendwo sonst auf der Welt steigen die Preise so stark wie in deutschen Metropolen. Allein im letzten Jahr legten Immobilienpreise in Berlin 20,5 Prozent zu. Wenn Ende 2016 weltweit zwölf Städte Preissteigerungen über der 20-Prozent-Marke hatten, war es 2017 nur noch eine –  die deutsche Hauptstadt.

Nataliya Morozova von DITIA Immobilien bestätigt, dass die Situation auf dem Immobilienmarkt schwierig sei. Auch für diejenigen, die in Immobilien investieren wollen. „Die Preise sind zu rund 30% überbewertet. Dazu haben Großinvestoren, unter anderen auch ausländische, und die günstigste Zinssituation beigetragen. Wie lange Zinsen noch so niedrig bleiben ist fraglich“, sagt die Immobilien-Expertin.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ist vor Kurzem zum Schluss gekommen, dass die Preisspirale in Deutschland außer Kontrolle geraten sei, und forderte die Bundesregierung, Immobilienmarkt strenger zu kontrollieren. „Hauspreise in Deutschlands größten Städten sind schneller gestiegen, als durch Nachfrage und Fundamentaldaten erklärt werden kann", heißt es schwarz auf weiß im aktuellen IWF-Bericht.

Seit dem Jahr 2009 haben sich die Preise für Immobilien in Deutschland um rund 50 Prozent verdoppelt. Wohneigentum in Deutschland ist so teuer wie nirgendwo sonst in der Eurozone. Schlimm ist es, dass der Preisanstieg unvermindert und rekordartig weitergeht. Schuld daran ist vor allem  das grobe Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. In Deutschland wird in den letzten Jahren immer weniger gebaut. Gleichzeitig suchen aber immer mehr Menschen Wohnraum. Seit 2012 sind rund 1,8 Millionen Einwohner hinzugekommen. Zudem benötigen noch 800.000 zusätzliche Studenten eine Bleibe.

Laut IWF-Bericht sind die Preise insbesondere in München überbewertet. Sie liegen um 46 Prozent über dem Niveau, das von Fundamentaldaten zu erwarten wäre. Stuttgart und Düsseldorf sind laut Bericht am wenigsten betroffen. In diesen zwei Städten gebe es lediglich eine Überbewertung von etwa 15 Prozent.

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